Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Die neueste Mischnaliteratur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 401 (sequence 1)
- Language
- German
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Die neueste Mischnaliteratur. Von. Ghanoch Albeck in Wien. Zwei Verleger haben sich zur Aufgabe gemacht, die Mischna mit deutscher Uebersetzung und Erklärung herauszugeben: Itzkowski in Berlin und Töpelmann in Gießen. Die Bearbeiter der Berliner Ausgabe sehen ihre Aufgabe hauptsächlich darin, die Mischna weiten Kreisen zugänglich zu machen und ihr bei den Juden Eingang zu verschaffen, die mit der rabbinischen Sprache nicht vertraut sind. Sie gehen also weniger darauf aus, Neues zu bieten, als vielmehr, das Alte in neuem Gewände erscheinen zu lassen, d. h. die Mischna nach der traditionellen Auffassung zu übersetzen und die von den Kommentatoren gegebenen Erklärungen in gemeinverständlicher Weise wiederzugeben. Die Bearbeiter der Gi e ß n e r Ausgabe haben sich dagegen ein weit höheres Ziel gesteckt: Die Ueberlieferung auf ihren Wert zu prüfen und eine ,,zeitgemäße“ Erklärung zu geben. Sie wollen ,,den Ursprung und die Geschichte der von der Mischna vertretenen Vorstellungen, Bräuche und Sitten vergleichend“ ergründen und dabei auch das literargeschichtliehe Problem aufrollen. Mit Bedauern muß aber Ref. feststellen, daß die Rollen vertauscht sind. Die Berliner verstehen die Mischna und wären einer weit größeren Aufgabe, als der, eine bloße Uebersetzung und Erklärung zu liefern, gewachsen. Manche unter ihnen durchbrechen auch sehr oft, von wissenschaftlichem Drang getrieben, den Rahmen ihrer Arbeit und lassen sich in Exkurse aus, die als eine Bereicherung der Wissenschaft anzusehen sind. Die Kenntnisse der Gießner dagegen, soweit nach den bisherigen Veröffentlichungen zu urteilen ist, reichen kaum aus, um eine gewohnliche, sinngemäße Uebersetzung zu liefern. Wo sie auch nur einen Schritt über das von anderen längst geebnete Terrain hinauswagen, verrät er ihre Unzulänglichkeit und wird ihnen zum Verhängnis. Von der Berliner Ausgabe sind die letzten Hefte der fünften Ordnung (Kodaschim) von Rabb. Dr. J. Cohn in verhältnismäßig rascher Folge erschienen. Neben der ersten und vierten Ordnung (die, was besonders hervorgehoben zu werden verdient, jetzt in zweiter Auflage herausgegeben wurde1) liegt nunmehr auch die fünfte Ordnung vollständig vor2. Auch diese Hefte zeichnen sich wie die früheren durch gründliches Eindringen in die oft sehr schwierige Materie aus und sind geeignet, dem der Mischnasprache nicht Kundigen das Studium der Mischna zu erleichtern. Mit besonderer Genugtuung konstatiert Ref., daß auch von der zweiten Ordnung, Moed, das vorletzte Heft von Prof. Baneth bereits 1 Mischnajot, die sechs Ordnungen der Mischna, hebräischer Text mit Punktation, deutscher Uebersetzung und Erklärung. Teil IV Seder Nesikin von Dr. D. Hoffmann, zweite Auflage, Berlin 1924, Verlag von H. Itzkowski, XXIV 11. 384 S. Preis geheftet 15 Mk. Leinenband 17.50 Mk. 2 Mischnajot . . . Teil V Seder Kodaschim von Rabb. Dr. J. Cohn, Breslau. Berlin 1925, H. Itzkowski, VII u. 546 S., Preis geheftet 25 Mk. Monatsschrift, 69. Jahrgang. 26