Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 395 (sequence 3)
- Language
- German
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395 den zahlreichen in den erwähnten מחקרים (besonders Nr. 120) angeführten Analogien für ,,אומר“ als im Sinne und nach .der Lebensweise «der ,,lehrenden“ Persönlichkeiten frei formulierten Sentenzen, könnten auch die beiden Sätze Ch. b. D.’s in Aboth III aus seinem Lebensbeispiel abstrahiert sein1. Der Verf. beklagt es (S. 99), daß die erhaltenen Berichte uns nicht die Möglichkeit geben, das allmähliche Wachsen der späteren Legenden über Ch. b. D. von 100 bis 200 n. Chr. festzustellen; für die ältere Sage hat er selbst aber diese Möglichkeit, weiche durch eine kritische Gegenüberstellung vollkommen gegeben ist, nicht ausgenutzt. S. 136 weist B. sehr richtig die Interpretation Ryle-James zurück, wonach in den Psalmen Salomos unter ,,Königreich Gottes“ Israel zu verstehen sei und weist den Gebrauch des Wortes מלך im Sinne eines Retters und Beschützers nach (ausführlicher S. 220 im Zusammenhang mit einer Sehr schönen Erläuterung der Formel אבינו מלכנו). Ich glaube, daß bei der deutliehen Abhängigkeit der Ps. Sal. vom alten Psalmenbuche im allgemeinen, kein Zweifel sein kann, daß 17״ auf Ps 894o, und 173 ,,das Königtum unseres Gottes ewig“ auf Ps 14513 מלכותך מלכות כל עולמים und Ps 14610 ימלך ה׳ לעולם sich bezieht; im ersten Falle leitet das Königtum Gottes die Aufzählung seiner Wohltaten für alle Wesen ein, im zweiten Falle beschließt es sie, und kann nur universalistisch gemeint sein. — Sehr treffend ist S. 146 die Erklärung Rayle-James zu Ps Sal 79 ,,wir stehen ja stets unter deinem Joch“ (im Gegensatz zur feindlichen Herrschaft) durch das sattsam bekannte pharisäische ,,Gesetzes-Joch“, widerlegt. Wien. A. Ivaminka. Br. Joseph Hermann Hertz, Oberrabbiner des Britischen Reiches: Jüdische Gedanken und Gedanken über Judentum. Autorisierte Uebersetzung. aus dem Englischen von Rosalie Perles. Mit Geleitwort von Felix Perles. Leipzig, Gustav Engel, 1924. XVI, 248 S. Das englische Original der vorliegenden Anthologie wurde 1917 zum Gebrauch jüdischer Soldaten geschaffen und in 91 000 Exemplaren verbreitet. Der 1. Abschnitt ,,Ich bin ein Jude“ umfaßt in 71 Aussprüchen die wichtigeren Seiten des. jüdischen Lebens und Bewußtseins. Der 2. Abschnitt in 85 Wahlsätzen ״Das Volk des Buches“ handelt von den religiösen Gütern, welche die Weit Israel verdankt, und berührt einige markante Ereignisse in Israels Geschichte. Im 3. Teile ,,Das Zeugnis der Nationen“ werden 69 Proben treffender Würdigung der Juden und des Judentums von nichtjüdischer Seite geboten. Der 4. Abschnitt ,,Die Stimme des Gebetes“ (das jüdische Jahr), 77 Stücke, gibt einen Ueberblick über die heiligen Tage des Jahres und ihren Widerhall in der Liturgie. Der 5, und letzte Teil mit 78 Wahlstücken ,,Die Stimme der Weisheit“ ist im wesentlichen eine Sammlung der tiefen Aussprüche der jüdischen Weisen über die Fragen des Lebens und des Jenseits. H. beschränkt sich nicht auf Wiedergaben aus dem alten Schrifttum, sondern zieht auch Denker wie Achad-Haam, Herzl, Dubnow usw. heran. Auch Dichter der neueren Zeit, wie Gordon und Bialik, sind in der Anthologie .vertreten. Es werden heute nur vereinzelte wissen, daß der größte hebräische Dichterder früheren Generation J. L. Gordon auch jüdisch-deutsch gedichtet hat. Ein solches Gedicht (Simchat-ThorarLied) hatte Gordon im Petersburger Jüdischen Volksblatt 1881 veröffentlicht und nachher in seine kleine Sammlung Sichat-Chulin (1886) aufgenommen. Dieses schöne und stimmungsvolle vergessene Lied findet förmlich seine Auferstehung iü der vorliegenden Blumenlese. 1 In der von B. irrtümlich S. 92 zum dritten Mal selbständig wiederholten Geschichte von der Schlange des Ch. b. D. nach der späten babyl. Version verwandelt sich die nicht gespürte persönliche Belästigung des Betenden in eine Bedrohung der Stadt durch eine gefährliche Bestie, wobei für Ch. b. D. nach Büchlers Meinung ״he did not intercede by prayer“ geradezu das Gegenteil des hauptsächlichen Charakterzuges dieses Mannes herauskommt, daß er durch die Innigkeit seines Gebetes wirkte, so daß sein Beispiel im Satze der Mischna אפילו בחש ברוך erhalten wurde.