Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Alexandreia
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 358 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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358 driner ־and die von ihnen nachgesuchten Rechte geäußert hat, kommt er auch auf die jüdische Frage zu sprechen: ״Welche von beiden Parteien nun schuld war an dem Tumult und dem Streit, oder vielmehr, wenn man die Wahrheit sagen soll, an dem Krieg gegendie Juden, konnte ich mich nicht entschließen, mit Bestimmtheit zu entscheiden, obwohl bei der Gegenüberstellung (mit ihren Gegnern) eure Gesandten und besonders Dionysios Sohn des Theon eure Sache mit Eifer vertraten. Aber ich spare mir meinen unversöhnlichen Zorn gegen diejenigen auf, die wiederum den Streit beginnen sollten; ich erkläre euch vielmehr gerade heraus, daß, wenn ihr nicht dieser verderblichen und hartnäckigen Feindschaft miteinander ein Ende macht, ich gezwungen sein werde, euch zu zeigen, was ein humaner Fürst sein kann, wenn er erst einmal in gerechten Zorn gerät. Deshalb beschwöre ich (euch) nochmals, die Alexandriner mögen sich verträglich und freundlich zu den *Juden verhalten, die dieselbe Stadt seit langer Zeit bewohnen, und keine Einrichtung der traditionellen Verehrung ihres Gottes beschimpfen, vielmehr sie wie in der Zeit des Dlvus Augustus nach ihren Rechten leben lassen, die auch ich nach Anhörung beider Parteien bestätigt habe; die Juden andererseits fordere ich auf, sich um nichts zu bekümmern, als was sie auch bisher anging, nicht aber, als ob sie in zwei Städten wohnten, fortan zwei Gesandtschaften zu schicken — was früher nie geschehen ist —, und sich nicht bei gymnasiarchischen oder kosmetischen Konkurrenzen zu beteiligen1, vielmehr das, was sie besitzen, zu gebrauchen und in einer fremden Stadt den Ueberfluß an allen möglichen Gütern zu genießen; auch keine Juden, die aus Syrien oder Aegypten herunterkommen, herbeizurufen oder kommen zu lassen, denn dies würde mich zwingen, einen schärferen Verdacht zu schöpfen; andernfalls werde ich auf jede Art gegen sie Vorgehen als Erreger einer allgemeinen Seuche für die ganze Welt. Wenn ihr aber beide hiervon Abstand nehmen und verträglich und freundlich miteinander leben wollt, werde auch ich (weiter) für die Stadt sorgen, mit der ja seit meinen Vorfahren eine alte2 Freundschaft zu meiner Familie besteht/‘ Der Brief ist gerichtet an den Präfekten L. Aemilius Rectus, der also schon 41 sein Amt angetreten hat, während man bisher (vgl. Luigi Cantarelli, La Serie dei Prefetti d' Egitto I. Roma 1906, S. 69) annahm, daß der bisherige Präfekt C. Vitrasius Pollio von Claudius noch einige Zeit im Amte gelassen sei, und daraus Schlüsse auf seine Haltung gegenüber den Juden gezogen hatte (Schürer I3 500); vielmehr muß er bald nach Claudius׳ Regierungsantritt abberufen worden sein. Aus dem Brief ergibt sich mit aller Deutlichkeit, daß neben der hellenischen Gesandtschaft zu gleicher Zeit auch eine jüdische sich in Rom aufgehalten hat, wohl kaum die von Philon geführte von 38/9, die dann lV2Jähre untätig in Rom geblieben wäre, sondern eine neue, die dem Kaiser zur Thronbesteigung gratulieren und den Beschuldigungen der Alexandriner entgegen- 1 Weder erciaxaipstv (Bell) noch sTciarcatsiv Erceicnccdeiv (Schwartz) scheint mir graphisch möglich zu sein; der Sinn ist ungefähr der von ״sich bemühen“. 2 t7]v als Schreibfehler für tv}<; scheint mir am wahrscheinlichsten zu sein.