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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 328

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Die Herkunft des Toseftamaterials
Date
1925-01-01
Page
Seite 328 (sequence 20)
Language
German
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328 lung des R. Chi ja ocier R. Oschaja, so müßten diese Baraitot im Talmud unter dieser Flagge segeln, da doch der Talmud im allgemeinen die Namen der Tradenten aufbewahrt. Die Frage muß sich ja von selbst auf drängen, warum die Talmude bald die Namen der Tradenten angeben (תני ר׳ פלוני), bald sie unterdrücken. Darauf gibt es nur eine befriedigende Antwort, daß nämlich die anonymen Baraitot den Talmuden so überliefert wurden, daß die Tradenten dieser Baraitot ihnen also unbekannt waren1. Die Baraitot, die die Talmude nicht mit תני ר' חייא anführen, waren demgemäß ihnen nicht als solche bekannt, wenn auch manche unter ihnen aus der Sammlung des R. Chija stammen mochten2. Da aber gerade diese anonymen Baraitot einen bedeutenden Teil der Tosefta ausmachen, so kann gesagt werden, daß sowohl die Untersuchung der aus dem Talmud uns bekannten Baraitot des R. Chija und R. Oschaja als auch der nicht näher bezeichneten Baraitot zum Ergebnis führen, daß unsere Tosefta mit den Baraitasammlungen des R. Chija und R. Oschaja nicht identifiziert werden darf. Ferner ist aus der obigen Liste zu ersehen, daß viele Baraitot, die andere Tradenten als R. Chija und R. Oschaja zugeschrieben werden und die anderen Sammlungen entstammen, in unserer Tosefta Vorkommen. Dazu kommt noch, daß eine in der Schule bekannte Halaka, die Zeiri Babli Jebamot 92a anführt '(♦תני בי מדרשא) ebenfalls in Tosefta Horajot I, 6 sich findet3. Will man nicht willkürlich annehmen, daß all diese Baraitot in der Tosefta spätere Zusätze sind, so beweist dies, daß der Sammler der Tosefta aus allen Baraitasamm- 1 ungen und vorhandenen Ueberlieferungen sein Material sich geholt hat. Die Annahme, daß einzelne Tradenten aus der Tosefta geschöpft haben, hätte nur dann eine Berechtigung, wenn unsere Tosefta eine Einheit darstellen würde, was aber nicht der Fall ist, da sie doch Baraitot aus verschiedenen Sammlungen (wie בר קפריא, בר דליה usw.) enthält, also nur eine Kompilation ist. Die Frage aber, ob nicht manchmal der Sammler unserer Tosefta eine Baraita aus gleicher Quelle wie ein Tradent im Talmud geschöpft hat, muß dahingestellt bleiben. Soviel steht jedoch fest, daß die Talmude die Kenntnis der Baraitot, die sie auf bestimmte Tradenten zurückführen, nicht aus unserer Tosefta erlangten, da in der Tosefta die Namen der Tradenten und Sammler nicht aufbewahrt sind. Es mußten ihnen also andere Quellen zur Verfügung gestanden haben. Diese Tatsache legt die Frage nahe, ob unsere Tosefta überhaupt den Talmuden bekannt war. Doch kann diese Frage nicht im Rahmen dieses Aufsatzes beantwortet werden und wir hoffen, darauf noch zurückkommen zu können. 1 Wenn aber in einem Traktate oder einer Sngia eine Baraita näher bezeichnet wird, in einer anderen aber dies ־unterlassen ־wird, so darf dieser Umstand mit als Kriterium für die verschiedene Herkunft der betreffenden Sugiot dienen. 2 Wir wissen auch, daß manchmal bekannt war, daß eine Baraita des R. Chija über eine .Halaka existierte, ohne daß sie über ihren Inhalt Bestimmtes wüßten: תני ד' חייא ולא ידעין מה תכי, vgl. oben S. 321. 3 Die vielen amoräischen Aussprüche, denen wir in der Tos. begegnen, sollen in anderem Zusammenhänge behandelt werden. .

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