Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Ibn Kammuna
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 2)
- Language
- German
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296 tum, Christentum und Islam.; die zweite, ein Berliner Unikum, behandelt in analoger Weise die innerhalb des Judentums sich gegenüberstehenden Parteien, Rabbaniten und Karäer. Beide haben nach dem Zeugnis der Handschrift den Tzz ad-daula Sa‘d ibn Mansür ibn Kammüna zum Verfasser, einen jüdischen Philosophen des ausgehenden dreizehnten Jahrhunderts, der nicht nur zu seiner Zeit sich außerordentlichen Ansehens erfreute1, sondern auch in späteren Jahrhunderten noch geschätzt wurde; Beweis dafür sind die Zitate bei späten arabischen Philosophen2, sowie die Tatsache, daß nicht weniger als sechs seiner Schriften sich noch erhalten haben, während wir von drei weiteren, darunter einer medizinischen, wenigstens noch den Namen kennen3. Von der erstgenannten Schrift ist bisher nur ein kleiner Teil, der Anfang des zweiten Kapitels, im Zusammenhange ediert worden (Leo Hirschfeld: Sa'db. Mansur ibn Kammunah..., Berlin 1893); die zweite hat Hartwig Hirschfeld in seiner Arabic chrestomathy in Hebrew characters (London 1892) vollständig abgedruckt, aber auf Grund von Steinschneiders Urteil als untergeschoben behandelt4. Für die Echtheit dieser Abhandlung soll unten das Wichtigste beigebracht werden; hier sei zunächst die Diskussion über den Punkt wieder aufgenommen, der für diese Frage und für das richtige Verständnis des תנקיח zugleich entscheidend ist: ist Ibn Kammuna Jude geblieben oder aber als Renegat zu betrachten? Steinschneider hat stets, ohne zu schwanken, das letzte bejaht. Es ist das Verdienst L. Hirschfelds, in seiner Dissertation (S. 8—11) für das jüdische Bekenntnis des Philosophen eingetreten zu sein; seine Gründe haben aber Steinschneider nicht überzeugt5, der noch in der ,,Arabischen Literatur der Juden“ (1902) den Uebertritt Sa'ds zum Islam schlechthin als Tatsache bucht. In der Tat kann man sich kaum einen eindeutigeren Beweis für das muslimische Bekenntnis eines Autors denken als die An- Wendung der traditionellen Segensformeln für Mohammed und seine Nachkommen am Anfang und am Schlüsse seines Werkes6. Nur wenn der Inhalt des Buches geradezu die Möglichkeit ausschließt, in dem Verfasser einen Muslim zu sehen, werden wir berechtigt, 1 Hirschfeld, Ar. Ghrest. 692 wird er als einzig dastehend in seiner Zeit (.אוחד עצרד. ופריד דדיןרד) bezeichnet; ähnlich überschwängliche Wendungen an der Spitze des תנקיח. 2 S. die Zitate bei Schirazi (1640 gest.) und dessen Kommentator Sabziwärl (nach Horten um 1800) bei Horten: Das philosophische System von Schirazi, Straßburg 1913, Index; Anführung bei Lahigi (um 1670) bei Horten: Die philos. lind theolog. Ansichten von Lahigi, Der Islam, Bd. 3 (1912), S. 129. Ferner עלאי אלדין אל&ווקט bei Steinschn., Pol. u. apol. Lit., S. 38, Anm. 1. 3 S. die Zusammenstellung bei Steinschn., Arab. Lit. § 178, wo die Schrift über Rabbaniten und Karäer nicht mitgerechnet ist. 4 In seiner Ausgabe ,,Das Buch Al-Chazari des . . Jehuda Hallewi“ (Leipzig 1887) bezeichnet er S. VI sogar die Schrift schlechtweg als anonym; auch L. Hirschfeld (Sa‘d b. Mansür S. 15 Anm. 1) meint, sie sei von Stein- Schneider ״als Unterschiebung erwiesen“. 5 S. die Anmerkung im Berliner Handschriftenverz. Bd. 2, S. 65. * Tanqilj f. 1a ... ואן יצלי עלי מן באלמלא אלאעלי ועלי מן אכתצד. באלנבוה יאלולאיד! מן אלורי וכצוצא עלי רסולה אלמצטפי ועלי אלד, ואצחאבה אולי אלנהי; ebenso f. 136b וכצוצא עלי מחמד ואלד. אלטאוזרין