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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 258

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Zwei Beispiele midraschischer Predigt
Date
1925-01-01
Page
Seite 258 (sequence 1)
Language
German
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258 Zwei Beispiele midraschisclier Predigt. Von Leo Baeck in Berlin. Die Frage ist, besonders in der Zeit der Debatten über die ,,Christusmythe'‘, oft gestellt worden, ob wir aus dem talmudischen Schrifttum etwas Entscheidendes über Entstehung und Geschichte des Christentums erfahren. Bekanntlich ist das Historische im Talmud das verhältnismäßig Seltene; es braucht nur daran erinnert zu werden, wie wenig, wie fast nichts wir über den geschichtlichen Hintergrund des Chanukkafestes und über die Epoche, an deren Beginn es steht, also über einen der bedeutungsvollsten Abschnitte der jüdischen Geschichte, wüßten, wenn unsere Kenntnis auf das beschränkt wäre, was der Talmud berichtet. Es kann darum nicht als ein Beweis gegen die Geschichtlichkeit einer Gestalt verwendet werden, Wenn darauf hingewiesen wird, daß der Talmud von ihr nicht erzahlt, obwohl ihr doch im.jüdischen Volke der talmudischen Zeit ihr Platz zugehören müßte. Aber immerhin enthält der Talmud an geschichtlichem Stoffe mehr, als ei* auf den ersten Blick zu besitzen schien. Es ist die große Entdeckerleistung der Männer, welche im vorigen Jahrhundert die Geschichtslinien der talmudischen Periode darlegten, daß sie dieses im Talmud verborgene historische Material hervorholten. Sie haben auch manches, was der Talmud über das Christentum zu sagen scheint, beigebracht. Jedoch auch das ist ein Geringes. So zahlreich und mannigfaltig sich die Quellen und Parallelen zu fast allem iti den synoptischen Evangelien und zu so manchem in den paülinischen Briefen darbieten, so weniges von dem, was doch einmal einen Teil der Geschichte des palästinensischen Judentums ausgemacht haben muß, von dem geistigen Kampf gegen das vor« dringende Christentum hat bisher aufgezeigt werden können. Wie immer man sich zu den einzelnen Fragen der x\nfänge des Christentums stellen mag, das steht doch fest, daß vom zweiten Jahrhundert ab eine christliche Kirche da ist und daß sie gegen das Judentum auf tritt1. Und daß die palästinensischen Schulen diesem Angriff, der mit einer Fülle von Geist und mit einer bezeichnenden Beherrschung der Methoden der haggadistischen Schriftdeutung geführt worden ist2, nicht auswichen, darf wohl kaum bezweifelt werden. Die jüdische Predigt von damals, wenn sie nur von dem rechten Standpunkte aus betrachtet wird, bestätigt es auch in der Tat. Wir besitzen aus jener Zeit, in der das siegreiche Christentum und das Judentum auf dem Boden Palästinas zusammentrafen, eine nicht geringe Zahl von Predigten, deren deutliches Thema die Polemik gegen den christologischen Gedanken ist, und deren eigentlicher Sinn erst dadurch hervörtritt, daß dieses ihr Thema erfaßt wird. Allerdings ist es, um diese Erkenntnis zu gewinnen, vorerst erforderlich, die Meinung bei Seite zu stellen, die durch den Terminus 1 S. Harnack, Die Mission und Ausbreitung des Christentums, S. 46 ff. . 2:Vgl. Weiß, דור דור ומרשיו III (Ausg. 1924) p. 123 ff.; Güdemann, Religiönsgeschichtl. Studien 99 ff. Vgl., meinen Aufsatz ,,Der alte Widerspruch gegen die Haggada“ in der Maybaum-Festschrift 165 ff.

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