Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 5 · p. Seite 224

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 5
Article
Bemerkungen zum Verbum denominativum im Hebräischen
Date
1925-01-01
Page
Seite 224 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829932-2832717--46307-2832782
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

in der Mitte liegen. Primitive Sprachen haben wahrscheinlich je nach Bedürfnis z־u gleicher Zeit Nennwörter sowohl als Zeitwörter geschaffen, so daß von einer Priorität weder hier noch dort ge« sprochen werden kann. Anders verhält es sich mit Zeitwörtern, die direkt von fertigen Nennwörtern weitergebildet sind. Zwar hat W. G. Gerber vor etwa dreißig Jahren dem Gegenstände eine größere Arbeit gewidmet1, sie geht aber von so eigentümlichen Gesichtspunkten aus, daß man ihr keine Endgültigkeit zusprechen kann. Er legt das Hauptgewicht auf den theologischen Sprachgebrauch. Niemand wird leugnen, daß die Theologie der Bibel für eine erhebliche Anzahl von den. Zeitwörtern verantwortlich ist. Es muß aber daran festgehalten werden, daß von Hause aus jede Sprache durchaus profan ist. Hebräisch wurde gesprochen Jahrhunderte bevor es eine biblische Theologie gab. Es ist daher eine arge Uebertreibung, zu behaupten, daß ein so wesentlicher Bestandteil des hebräischen Wortschatzes von der Theologie beeinflußt war. Gerbers Verfahren ermangelt der Klarheit und des systematischen Aufbaus. Für jedes registrierte Wort bespricht er zunächst seine theologische Anwendung und erst dann den profanen Gebrauch des von demselben abgeleiteten Zeit- Wortes, hat demnach die Sache auf den Kopf gestellt. Endlich aber ist das ganze Material nach dem Schema der abgeleiteten Konjugationen geordnet. Nachbiblisches Hebräisch (im folgenden nb) ist unbeachtet geblieben, und die vielen Fälle von den bei Gesenius verzeichneten V. D. sind nicht erwähnt. Den. Zeitwörter umfassen ein ungeheures Gebiet in allen Sprachen und spotten jeder Regel. Sie sind das treueste Merkmal der Fruchtbarkeit lebender Sprachen, und ihre Wucherungen gehen ins unendliche. Man kann als sicher annehmen, daß Zeitwörter,( welche abstrakte und komplizierte Handlungen ausdrücken, nicht ursprünglicher Natur sind. Zu dieser Klasse gehören auch die meisten den. Zeitwörter, die sich auf den religiösen Kult beziehen, da bei dessen Ausführung gewöhnlich mehr als eine Handlung erforderlich ist. Daher kommt es auch, daß in den ineisten den. Zeitwörtern abgeleitete Konjugationen gebraucht sind, wobei freilich auch Rückbildungen zum einfachen Stamme Vorkommen mögen. Diese Erscheinung tritt besonders deutlich im Arabischen hervor, wo die abgeleiteten Konjugationen starke Verschiedenheiten von Bedeutungen auf weisen. Eine systematische Klassifizierung der den. V, läßt sich kaum aufstellen und kann nur nach ganz allgemeinen Gesichtspunkten versucht werden, etwa folgendermaßen: Teile, Funktionen und Eigenschaften des lebenden Körpers, physische sowohl als seelische; Familie, Kleidung und Schmuck, Werkzeuge und Utensilien, : . Naturerscheinungen, Zahlwörter, konkrete Dinge usw. 1 Die hebräischen Verba denominativa, insbesondere im theologischen Sprachgebrauch des A. T,, ,Leipzig 1896; im folgenden mit G. angeführt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.