Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Max Webers Soziologie des antiken Judentums
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 195 (sequence 1)
- Language
- German
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Max Webers Soziologie des antiken Judentums1. Von Julius Guttmann in Berlin. Die religionssoziologischen Arbeiten Max Webers haben den soziologischen , Gesichtspunkt innerhalb der Religionswissenschaft in einer alles Frühere weit hinter sich lassenden Energie und Tiefe zur Geltung gebracht. Sie stellen die Entwicklung der Religion in den Zusammenhang der allgemeinen Entwicklung der Kultur und der Gesellschaft hinein, indem sie sowohl die Abhängigkeit der Religion von staatlichen und wirtschaftlichen Faktoren wie die Einwirkung religiösen Glaubens und der von ihm getragenen ethischen Ideen auf das politische und soziale Leben verfolgen. Unter diesem Gesichtspunkt wollen sie die sich durch die/Weite ihrer geschichtlichen Wirkung zu Weltreligionen erhebenden religiösen Systeme analysieren und jede von ihnen in ihrer Eigenart verstehen. Diese große Aufgabe ist im größten Sinne in Angriff genommen. In der Erforschung dieser soziologischen Wechsel- Beziehungen gelangt Weber zugleich zu einer außerordentlich erleuchtenden Charakteristik der behandelten Religionen, die für die Erforschung der Typik des religiösen Lebens überhaupt eine Fülle wichtigster Gesichtspunkte bietet. Der reiche Ertrag der Webersehen Arbeiten hat seinen Grund in der Verbindung universaler Weite des geschichtlichen Verstehens mit höchster Schärfe und Klarheit der Begriffsbildung. Beides vereint wirkt sich aus in der Bildung außerordentlich fruchtbarer und aufschlußreicher soziologischer Kategorien und Formbegriffe, die er an die Einzelerscheinungen heranbringt. Seine erkenntniskritische Einsicht bewahrt ihn davor, diese Begriffe den historischen Tatsachen gewaltsam aufzupressen, Wir verdanken ihm die Erkenntnis, daß die Typenbegriffe, mit denen die Kulturwissenschaften arbeiten, Idealtypen sind, die in ihrer Reinheit in keinem empirischen Einzelphänomen verwirklicht sind und mit denen die historischen Tat- Sachen nur zum Zweck ihrer begriff liehen Erfassung von der Forschung verglichen werden. Diese grundsätzliche methodische Einsicht hält Weber auch in der konkreten Verwendung seiner eigenen Typen- und Formbegriffe fest. Von gleicher Besonnenheit ist er auch in der Feststellung der Wechselbeziehungen zwischen Religion und gesellschaftlicher Wirklichkeit. Er geht nicht mit einer dogmatischen Annahme über die politische oder ökonomische Bedingtheit religiösen Lebens überhaupt an die Tatsachen heran. Was er an die Erscheinungen heranbringt, ist nur die methodisch geklärte Frage- Stellung, die der Einzelforschung die Wege weist. Sie ermöglicht es ihm, auch. bekanntem und oft durchforschtem Material neue Resultate abzugewinnen. Das religionsgeschichtliche Material selbst beherrscht er mit bewundernswerter Souveränität. Natürlich kennt er die Quellen zumeist nur in Uebersetzungen und ist auf die Be- 1 Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie von Max Weber. III. Das antike Judentum, Tübingen, Verlag von I. G. B. Mohr (Paul Siebeck) 1921. VII, 442 SV