Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 185 (sequence 2)
- Language
- German
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185 Verzeichnisse und Berichtigungen schließen das sehr reichhaltige, in knappster Darstellung überaus ־viel bietende Buch. Sehr wichtig erscheint dem Verfasser des vorliegenden Buches die Frage, ״wie Jesu für uns griechisch geformter Gedanke sich in der Ursprache ausnehmen müsse“. Dabei fällt es auf, daß kaum einmal hebräisch als Ursprache angenommen und immer nur auf das Aramäische hingewiesen wird. Und doch zeigt die so reiche Agada, daß man religiöse und ethische Gedanken auch hebräisch — oder: gerade hebräisch — treffend auszudrücken verstand. Die agadischen Vorträge der Lehrer waren für das Volk bestimmt, welches diese hebräischen Sätze unbedingt verstehen mußte. Die Kenntnis des Hebräischen wird weit größer gewesen sein, wie es von den Forschern allgemein angenommen wird, und insbesondere im religiösen Leben wird man sich des Hebräischen allgemein bedient haben. Es sei nur auf die Mischnatraktaie Nedarim und Nazir verwiesen, wo alltägliche Redewendungen der Menschen (לשון בניי אדם) sehr oft wiederkehren. Wir wissen auch, daß die beiden Häupter des Beth-din in Jerusalem (Rabban Simon b. Gamliel und Rabban Jochanan ben Zakkai) an die Bewohner des ,,Darom“ und Galiläas hebräische Sendschreiben richten (Midrasch Tannaim ed. Hoffmann 175 f.; ich behandelte die wichtige Stelle ausführlich in 5683) ספר דשנה של א״י) I, 29 ff.). — Auch die Behauptung: ״Juden, die im Ausland zu Griechischredenden geworden waren, verpflanzten somit die fremde Sprache in die Heimat“ (S. 3) dürfte in dieser allgemeinen Fassung kaum richtig sein. Die palästinensischen Juden waren gezwungen, um mit den Behörden verkehren zu können, ein gewisses Maß von griechischen Kenntnissen sich anzueignen. Manche der Vornehmen trieben es zu weit, so daß eine Verordnung gegen den Unterricht in der griechischen Sprache erlassen werden mußte. — Ich glaube auch nicht, daß die Deutung von Deut 332 in Sifre Dt 343 (142b) es zeigen wolle, ״welche Sprachen einem Juden als wichtig erschienen“ (S. 7). Es handelt sich vielmehr um eine Deutung der Schriftworte: סיני als Ortder Offenbarung hebräisch; אדום שעיר — römisch; פארן als Wohnort der Nabatäer (oder Araber) =' arabisch; ואתא (statt des hebräischen ובא) — aramäisch. Einige kleine Versehen mögen nicht unerwähnt bleiben. Wenn man Beispiele für den Gebrauch griechischer Namen selbst bei Nichthellenisten oder Pharisäern angeben will, so ist vor allem auf Antigonos aus Socho (Abot I3) hinzuweisen. — S. 6 Anm. 3 lies statt ״Ghali.“ — ״Chull[in]“. — S. 16 Anm. 1 lies ,Agada6. — Im letzten Zitat auf S. 16 ist nicht von Worten die Rede, die man beim Lesen absetzen soll, sondern von Satzabteilungen entgegen der offiziellen Versteilung, wie Dalman selbst auf Seite 33 die Stelle richtig erklärt. — S. 29 Anm. 6 und S. 40 ist שנה nicht wiederholen, sondern Tradition lernen. — S. 29 Anm. 7 lies ״Sota“. שבוש ת״ח bedeutet mehr, als ,sich in die Schule eines Fachgelehrten begeben‘. Der Ausdruck weist auf den ständigen Umgang mit einem Gelehrten hin. — Das ״Zusatzgebet“ (S. 36) folgt nach der Thoravorlesung! — Zu S. 65 Anm. 4: Nicht Eleazar b. Ch., sondern Akabja b. Mahallei befiehlt seinem Sohne, seine Tradition zu verlassen. — S. 69 Zeile 9 lies: E 1 i e z e r. — Zu S. 95 Anm. 7: Mo. KI7 (lies 6) spricht vom Halb feiertag, der kurz möed genannt wird. — בסים (S. 112 Anm. 5) bedeutet: ״angenehm“ (nicht ״zu Essig werden“). — S. 133 Anm. 6 lies: ״mete bederekh miswä“ (״met miswä“ hat eine andere Bedeutung). — Nicht der vierte, sondern der fünfte Becher heißt ״Becher Elias“, wie D. selbst S. 186 Anm. 5 — entgegen S. 152 (Anm. 7) — richtig schreibt. — Kreuzigung unter Alexander Jannai (S. 169) ist unmöglich, da sie erst von den Römern eingeführt wurde (vgl. Midr. Tannaim 1327). Das Richtige hat wohl Klausner היסטוריה ישראלית II, 130. — S. 172 Anm. 9 }ies st. 40b — 20b. Mit Rücksicht auf den mir zur Verfügung stehenden Raum muß ich weitere Einzelbemerkungen unterlassen, doch kann ich nicht umhin, auf die im Vorwort ausgesprochene Tendenz des Buches, die auch allenthalben in der Darstellung zum Ausdruck kommt, mit Bedauern hinzuweisen. Diese Tendenz charakterisieren z. B. die Worte: ״Akibas Sterben bedeutete eine aufs höchste angespannte Hingabe an die Vorschrift des Gesetzes und die Erfüllung einer rituellen Pflicht. Aber sie blieb in dem Rahmen einer Frömmigkeit, welche bei Gott für die Leistung entsprechenden Lohn erwartet, der doch nur den