Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1925-01-01 · Heft 4 · p. Seite 170

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
69 (1925)
Issue
Heft 4
Article
Über moderne Naturphilosophie [Rezension]
Date
1925-01-01
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829927-2829931-2832613--46235-2832679
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

170 Philosophie weiter, sein als der englische Terminus ,,Natural Philosophy4Cl, der identisch mit mathematischer Physik ist. Immerhin handelt es sich 11m streng wissenschaftliche Philosophie, die auch als Unterbau einer religiösen Weltanschauung ihre Bedeutung hat. — Ueber die positive Aufgabe und Definition der modernen, N a t u r p h i 10 s o p h i e gibt es gewiß Meinungs- Verschiedenheiten. Zunächst kann es sich nur darum handeln, eine provisorische Begriffsbestimmung zu geben und eine ungefähre Begrenzung der Aufgabe zu versuchen. I. Im Anschluß an ältere Ausführungen von Hans Driesch1 2 möchte ich Naturphilosophie als die Lehre vom Begriff ,der Natur, von dem allgemeinen Schema,der Natur und von der Erfüllung dieses Schemas bezeichnen. Ganz allgemein mag auch für Naturphilosophie als unterscheidend gegenüber der Naturwissenschaft der die Philosophie überhaupt kennzeichnende stets deutlich bewußte Ich-Bezug, den der Detailforscher gewöhnlich zugunsten der scheinbaren Selbständigkeit des Objekts vernachlässigt, gelten, der in der philosophischen Urtatsache zum Ausdruck kommt: Ich habe, um mein Wissen wissend, Etwas. Die Philosophie, und damit die Naturphilosophie, erhält damit sofort ihre Eigenart, nämlich die deutliche Herausstellung des Immanenzcharakters alles Bewußtgehabten* den jede Sonderwissenschaft, mit Recht, vorn achlässigt. Der Standpunkt der Immanenz, der den Ausgang der Philosophie kennzeichnet, läßt dann später das Problem der Realität erstehen, das gegenwärtig von vielen wieder positiv beantwortet wird: es gibt wieder zahlreiche metaphysische Versuche; das ist gewiß ein Territorium, das man der Philosophie nicht streitig machen wird. Endlich ist, insbesondere durch die Bemühungen der Badischen Schule, die Wertphilosophie aufgekommen, ebenfalls ein Feld eigener Prägung. Freilich hat gerade die Axiologie keine unmittelbare Bedeutung für die Naturphilosophie; aber Be- Ziehungen existieren, wie noch gezeigt werden soll, auch zu dieser. — Vaihingers3 Versuch, durch den Standpunkt des Fiktionali s m u.s allen Realitätsfragen aus dem Weg zu gehen, erwähne ich im Vorübergehen. Wenn auch er. für Teilgebiete der Religion von Bedeutung werden kann — übrigens weniger als die Wertphilosophie — so scheint er doch über das Ziel hinauszuschießen. Ernster und unmittelbarer berührt uns für unsere Betrachtung der mangelnde Consensus bezüglich des Begriffs Natur. Von Kant rühren die Definitionen her, daß die ״Natur das Dasein ist, sofern es nach allgemeinen Gesetzen bestimmt ist“ und ״die Natur ist der Inbegriff aller Gegenstände der Erfahrung“. Bauch4 bemerkt dazu, daß damit Natur noch nicht mit der־ Wirklichkeit (im nichtmetaphysischen Sinn) gleichgesetzt ist. Wirklichkeit umfaßt Dasein und Kausalität, und das Dasein ist umfassender als Natur, weil diese das Dasein nur nach seiten ihrer allgemeingesetzlichen Bestimmtheit ist. Doch brauchen wir schärfere Bestimmungen. Es handelt sich vor allem darum, ob die Psychologie als Lehre von den Akten, deren wichtigster das Haben ist, gemeinsam mit der Lehre vom Gehabten die Naturwissenschaft konstituiert, oder ob wir beide Reiche grundsätzlich trennen. Wenn wir mit D ri es eh5 von der philosophischen Urtatsache (s. 0.) ausgehen, so läßt sich zunächst das Ich von dem Etwas, mit dem es durch das Haben, den einzigen bewußten Akt, verbunden ist, nicht trennen. Schreite ich aber in der Ordnungslehre vorwärts und schaue, daß eine große Vereinfachung und damit mehr Ordnung zustande kommt, wenn ich die unmittelbaren Gegenstände meiner Erlebnisse, die für das Bewußtsein nur punktweise, diskret auftauchen, gleichsam selbständig sein lasse, als ob sie in der Zeit durch alles Werden hindurch beharrlich, kohärent wären, so habe ich einen Seinskreis geschaffen, der Gegenstände, Gehabtes enthält; diese 1 Vgl. hierzu W. Ostwald, Moderne Naturphilosophie I, Leipzig 1914, S. 1 und FL Driesch, Philosophie d. Organischen, 2. Auf!., Leipzig 1921, S. 392. 2 Zwei Vorträge über Naturphilosophie, 2. Abhdl., S. 32, Leipzig 1910. 3 Philosophie des Als Ob, 7. u* 8. Aufl. * Wahrh., Wert, Wirklichkeit, S. 422 ff, 5 Ordnungsl. 149 ff.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.