Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Seele als Vogel
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 2)
- Language
- German
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151 Literatur zu diesem Thema in reichster Fülle hat Otto Waser gesammelt1. Daß aber diese Vorstellung auch bei den Juden vorhanden und ziemlich verbreitet war, ist wenig bekannt. Waser schreibt darüber: ,,Selbst den Juden scheint die Vorstellung vom Seelenvogel nicht ganz fremd gewesen zu sein; freilich hat sie sich bei ihnen nur in einer vereinzelten sprachlichen Spur erhalten, in dem talmudischen Ausdruck צפור נפשו zippor naphscho, Vogel der Seele; außerdem wird gelegentlich in den Psalmen die Seele verglichen mit dem zippor, wofür die Septuaginta arpoodio(: bietet, vgl. besonders Psalm 1247.“ Dies ist nach beiden Richtungen hin, nach der positiven wie der negativen, nicht ganz genau. Erstens wird nicht hervorgehoben, daß diese Deutung des fraglichen talmudischen Ausdruckes von anderen abgelehnt wurde2, zweitens hat Goldziher3 auf eine andere sprachliche Wendung in der rabbinischen Literatur hingewiesen. Im großen Ganzen aber ist die Darstellung Wasers zutreffend. Zu der Zeit, da er seinen . Aufsatz veröffentlichte, war in der Tat für die Vorstellung des Seelenvogels bei den Juden nicht mehr als die eine oder die andere sprachliche Wendung bekannt. So blieb es auch in der Folgezeit. Erst in einem unlängst erschienenen Buche4 wird auf eine Agadastelle hingewiesen, in der die Vorstellung der Seele als Vogel deutlich ausgesprochen ist. Es gibt aber für das Vorhanden- und Verbreitetsein dieser Vorstellung bei den Juden noch mehrere andere literarische Zeugnisse in verschiedenen Quellen aus verschiedenen Zeiten, zum Teil in Werken, die der schriftlichen Fixierung nach bedeutend älter sind als die rabbinische Literatur. Das jüdische 1 Otto Waser. Ueber die äußeren Erscheinungen der Seele, Archiv für Religionswissenschaft XVI (1918), S. 336—360, 382—388. Vgl. noch Archiv, das. S. 89. In einer griechisch-christlichen Schrift heißt es: Die Seelen der Gerechten gleichen den Tauben, oder, nach rhetorischer Aus drucks weise, den Turteltauben. Die Seelen der Bösen aber gleichen Nachtraben und Schildkröten. Anecdota Graeco-Byzantina ed. A. Vassiliev I, S. 181. mi iv 0 TCavGq1׳ürcr]s Xsyst oxi ooasi xepiaxepat slaiv twv öixgu'üjv al cjwyai xai 7ן prjxopix'/] \i%ic, 1331ן ok; Tp0־fa>v«1 eiatv s?c xov irapotöstaov, 7j 03; TpacpT] Xifsi tuaicsp ^.sipaxtav etaiv al ^uycu xdW oixattüv y.a\ xaüapal sic; xov xapaosiaov y,al crfcdAovxcct, xojv 01 a|j1apxa)Xü)v 0.1 cboyal a><; ysXojvatc; staiv xat cü<; x«uodys׳po1 sic x7?v xoXaaiv xat «>«; voxxoxspaxot ju|uTai xoo* oiccßdXoü. In einem gnostischen Hymnus heißt es: ,,Daher wie ein zitternder Hirsch gestaltet ringt sie (die Psyche) sich ab, gepackt vom Tode, ein Uebungsstück für ihn.“ Harnack, Sitzgbr. der Berl. Akad. der Wissenschaften 1902, I, S. 543. Hennecke, Neutestamentliche Apokryphen, Einleitung, S. 18. Ueber Aegypter, Abessynier, Muhammedaner vgl. Jakob, Altarabisches Beduinenleben, S. 143. Littmann, Beiträge zur Kenntnis des Orients, ed. Grotte VI, S. 56—58. Vgl. auch Leszynsky, Muhammedänische Traditionen, S. 21, Anm. 2 Dies ist umso auffallender, als Waser anstatt auf Geigers Jüdische Zeitschrift 1867, S. 169, irrtümlicherweise auf Geigers Jüdische Zeitschrift 1868, 292 ff., verweist, wo gerade Derenburgs Ablehnung der Geigerschen Erklärung sich befindet. Die Ungenauigkeit auch bei Goldziher, Globus LXXXIII, 301b. 3 Globus, das. 302b. Vgl. weiter unten Anm. 38. 4 Alexander Kristianpoller, Traum und Traumdeutung in der talmudischen Literatur 1923 (Monumenta talmudica IV). — Nebenbei bemerkt, eine vorzügliche Arbeit.