Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Alchemie und Kabbala
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 95 (sequence 1)
- Language
- German
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95 Alchemie und Kabbala. Ein Kapitel aus der Geschichte der Mystik. Von Dr. Gerhard Scholem in Jerusalem. IV. (Schluß) Ein Problem für sich bildet ,,Des Juden Abraham von Worms Buch der wahren Praktik in der uralten göttlichen Magie . . .wie sie durch die heilige Kabbala und durch Elohym mitgeteilt worden"1. Es kann hier nicht der Ort sein, ausführlich nachzuweisen, daß der jüdische Ursprung dieses sehr wichtigen Textes nicht aus der Luft gegriffen zu sein scheint. Wir haben hier eine überraschend voll״ ständige Anweisung zum mystischen Leben vor uns, deren Autor ein jüdischer Okkultist gewesen zu sein scheint, der in seine Betätigung der praktischen Kabbala ein, von der eigentlichen Kabbala unabhängiges, System gebracht hat. Das Buch verrät noch in seinen deutschen und englischen gedruckt vorhegenden Rezensionen so erstaunliche Einzelkenntnisse des Hebräischen gerade in den magisehen Teilen, daß schwer begreiflich ist, welcher ,,christliche Beträger" das Buch hätte fälschen können, wie Steinschneider will. Da das Buch nach dem 15. Jahrhundert nicht entstanden sein kann — die zeitgeschichtlichen Beziehungen sind zu stark — und ein getaufter Jude bei der ausgesprochenen und betonten Feindschaft des Buches gerade gegen Renegaten ausscheidet, müßte dieser Beträger ein Wunder seiner Zeit sein, und hätte unter Steinschneiders ,,christlichen Hebraisten" einen wichtigen Platz verdient. Es paßt zu dem jüdischen Charakter des Buches auch, daß die Alchemie hier fast überhaupt keine Rolle spielt, und nur ganz nebenher werden (IV. Buch 7. Kap.) drei magische Plaketten aufgeführt, um ״allerley Alchymische Arbeiten durch die Geister verrichten zu lassen". Die Stichworte sind, wie stets hier, hebräisch: מיטל — 2מיטלו auch bei Mose de Leon im Scheqel ha-Qodesclu p. 122 — הבעת (?), und für ,,allerley alchymische Künste" »מלאבד, der tatsächliche seltene hebräische Terminus für das alchimistische ,,Werk". Ein Betrüger 1 Köln 1725 und zwei neuere Nachdrucke s. 1. e. a., nach deren einem ich zitiere. Englisch nach einer französischen Hs. mit einer langen Einleitung herausgegeben von Mathers (ohne Kenntnis der deutschen Rezension): ״The book of the Sacred Magic of Abra-Melin (1) . . . as delivered by Abraham the Jew. ..“, London 1898. Vorher handelten über das Buch kurz Kopp II, p. 236 und Steinschneider, Hebr, Uebers. § 543. Das Buch ist in mindestens 6 Sprachen vorhanden, in theosophischen Privatbibliotheken waren und sind Handschriften davon keine Seltenheit. Die bei Kopp a. a. O. erwähnte Hs. war ja auch zugestandenermaßen zu fabrikmäßigem Kopieren da. Die ältesten Hss. stammen aus dem 16. Jahrhundert, sind natürlich, wie alles an diesem Buch, noch ununtersucht (Wien, Oxford, woselbst die hebräische Bearbeitung). ־ Die Christliehen Interpolationen des deutschen Drucks, die vielleicht Steinschneiders Urteil veranlaßten, fehlen großenteils in dem englischen, der dafür wieder andere hat, wie überhaupt beide Rezensionen sich im allgemeinen gut ergänzen, insbesondere sind die magischen Worte im Englischen besser erhalten und immer richtig als Zauberplaketten geschrieben. Der Ausdruck ״heilige Kabbala“ הקבלה הקדושה findet sich übrigens in der Tat bei den Kabbalisten schon seit etwa 1300. 2 Dieselbe Form im 14. Jhdt. auch bei Gerson b. Salomo, cf. Stein- Schneider, Hebr. Uebers., p. 236, Anm. 916.