Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 2)
- Language
- German
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82 beigetragen haben, daß hier unsere Weisen, frei von jeder öden Spekulation, nur von sachlichen Erwägungen, Erfahrungen und elementarsten physikalischen Gesetzen sich haben leiten lassen. Ja, es ist sogar schon ein pathologisch anatomisches Präparat zu Unterrichtszwecken konserviert worden, Chul. 57b. Theorien hatten sie überhaupt keine; von den vier Elementen, Säften usw. findet sich im Talmud kaum eine Spur. Die negativen, also wichtigsten Bedingungen naturwissenschaftlicher Betrachtung waren mithin von vornherein gegeben. Nun folgt der Grundstock der Lehre, die Mischna (Chul. 42a): ,,Und folgende sind trepha beim Vieh: Perforation der Speiseröhre und Spaltung1 der Luftröhre; wenn die Haut des Gehirns durchlöchert ist, oder das Herz in das Haus seiner Höhlung; wenn die Wirbelsäule gebrochen und ihr Faden (Mark) gespalten, die Leber entfernt und nichts von ihr übriggeblieben, die Lunge durchlöchert oder defekt ist; R. Simeon sagt: bis sie in das Haus der Röhren durchlöchert ist; wenn der Labmagen durchlöchert ist, oder die Gallenblase, oder die Därme; wenn der innere Bauch (Pansen) durchlöchert oder der größere Teil des äußeren (Bauchwand) aufgerissen ist; R. J e h u d a sagt: beim großen (Rind schon) eine Spanne, beim kleinen (Kalb) der größere Teil; wenn die Haube oder der Psalter nach außen (in die freie Bauchhöhle) durchlöchert ist; wenn es vom Dache herabgefallen; wenn die Mehrzahl der Rippen gebrochen; und die Derussa (Verletzung durch die Krallen) des Wolfes; R. Jehuda sagt: die Derussa des Wolfes beim Kleinvieh (Ziegen, Schafe), und die Derussa des Löwen beim Großvieh; die Derussa des Sperbers bei kleinen Geflügel(arten), und die Derussa des Habichts bei großen Geflügel(arten). Dies ist das zusammenfassende (Prinzip): Jedwedes, dessen ähnliches (gleichermaßen verletztes) nicht lebt, ist trepha' Diese 18 Trephaarten2 gelten als Mosaische Tradition und sind daher biblischen Gesetzen völlig gleichgestellt, deren Anzahl demnach weder vermehrt noch vermindert werden darf3. Die Trephalehre ist also über gewisse, von der Halacha genau gesteckte Grenzen hinaus der medizinischen Wissenschaft ein für allemal gründlich entzogen und hat, da es sich ja um bloße Verletzungen handelt, auch mit der Hygiene gar nichts zu schaffen. Hat man ja in früherer Zeit die geschlachteten Tiere gar nicht untersuchen müssen; denn laut Majoritätsprinzip galt grundsätzlich die vorgefaßte Meinung, daß das geschlachtete Tier zur unverletzten Mehrheit gehöre. Die derzeit obligate Lungenuntersuchung ist erst in nachtalmudischer Zeit eingeführt worden4. 1 Es folgen stilgemäß zunächst zwei Hauptwörter. 2 Nach Ulla sind implicite 8 Verletzungs weisen tradiert worden: Perfor. Spaltung, Riß, Bruch, Exstirpation, Defekt, Commotio, Derussa. Nach dieser Einteilung hat Maimonides seine Lehre geordnet, J. Karo aber nach Organen (s. Chul. 43a). 3 Vgl. jedoch Maim. Schechita VIII, 23 und die Einwendungen der Kommentatoren daselbst. M. G. 4 Dies bedarf der Berichtigung, da die Lungenuntersuchung älter ist, als gewöhnlich angenommen wird. Vgl. Tanchuma Schemini 8: א״ד יהודה בן פדיה, מי יגלה עפר מעיניך אדם הראשון, שאתה לא יכולת לעמוד בכסיונך אפי׳ שעה אחת והרי