Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 69 (1925)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Aus der neuesten bibelwissenschaftlichen Literatur
- Date
- 1925-01-01
- Page
- Seite 81 (sequence 17)
- Language
- German
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81 heit übersichtliche Versuch einer Chronologie von der Königszeit ab. Vielleicht hätte man, da bei solchen mit vorgeschriebenem Umfang arbeitenden Skizzen alles auf die Stoffauswahl ankommt, der Religionsgeschichte, wenn sie schon einmal überhaupt mitbehandelt wird, einen etwas breiteren Raum gegönnt. Jeremia und Deutero-Jesaja werden allzu stiefmütterlich behandelt. Die Trepha-Lehre im Lichte der medizinischen Wissenschaft. Pathologische Anatomie im Talmud. Von] Dr. med. Karl Preis in Budapest 1. 1. Allgemeiner Teil. Vorliegende Arbeit ist gleichermaßen für die Wissenschaft des Judentums, wie auch für die Geschichte der Medizin bestimmt. Es wird versucht, die Trephalehre mit Hilfe der medizinischen Wissenschaft dem Verständnisse näher zu bringen, zugleich aber gezeigt, wieviel unsere Weisen von der pathologischen Anatomie gewußt, wie sie Befunde erhoben und gewertet haben, schon in einer Zeit, da Griechen und Römer von dieser reellsten Grundlage allen ärztlichen Denkens sozusagen noch gar keine Ahnung hatten. Philologische und geschichtliche Auseinandersetzungen aber werden tunlichst gemieden und auch nicht jede Einzelheit berücksichtigt, eingedenk des talmudischen Satzes, daß Ueberflüssiges das Ganze zunichte macht. Die einzige biblische Grundlage der Trephalehre bildet der Satz Ex 22g0״ נUnd Fleisch, auf dem Felde zerrissen, sollt ihr nicht essen“. Da nun aber Aas ohnehin verboten, so wird traditionell gefolgert, daß es sich hier um lebende Tiere handelt, die aber dem Tode verfallen sind, und zwar, dem Worte trepha zerrissen entsprechend, ausschließlich durch Verletzungen, gleichviel ob nun diese durch wilde Tiere, auf andere mechanische Art, oder auch nur durch Krankheiten gesetzt worden sind. Auf Krankheiten und Vergiftungen, selbst wenn sie tödlicher Natur, also auf die Klinik an sich, wird gar keine Rücksicht genommen; einzig und allein maßgebend sind Verletzungen, oder diesen gleichgesetzte Gewebs- Veränderungen, insofern sie geeignet wären, unaufhaltsam früher oder später2 den Tod des Tieres herbeizuführen. Hiermit ist also die Trephalehre als reine, von der Heilkunde und Gesundheitslehre völlig losgelöste pathologische Anatomie hinlänglich gekennzeichnet. In den Dienst der Religion gestellt und von der Halacha in ziemlich enge Schranken gewiesen, bietet sie gleichwohl ein erfreuliches Bild sachlicher Beobachtung und nüchterner Deutung. Ein gewisses Dilemma: entweder das religiöse, oder das materielle Heil ihrer Mitbürger zu schädigen (Chul. 56a) mochte mit dazu 1 Einzelne Bemerkungen des Herrn Prof. Michael Guttmann sind mit M. G. gezeichnet. 2 Nach Tosafot Chul. 140a u. Sanh. 78a könnte diese Definition auch der Lehre, daß ,,das Trepha lebt“ entsprechen. Monatsschrift, 69. Jahrgang. 6