Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 335 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829926-2832358--45971-2832452- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
335 anderen fachkundigen Männern der jüdischen Wissenschaft bald gelingen, uns neue gute, womöglich kritische Ausgaben der jüdischen Geschichtsquellen zu bescheren. J Nathan Porges. ״Gustav Pfannmüller: Handbuch der Islam-Literatur. Berlin 1923. W. de Gruyter & Go. VIII, 436 S. Dieses bibliographische Handbuch stellt ein sehr nützliches Hilfsmittel dar, das nicht nur die Titel der auf die Religion und die Kultur des islamischen Orients bezüglichen Veröffentlichungen registriert, sondern auch über ihren Inhalt berichtet, z. T. sogar ziemlich ausführlich. Für die Leser dieser Zeitschrift kommt vor allem der Abschnitt ,,Judentum und Islam4• In Betracht (S. 98—104), wobei es sich um das vorislamische Arabien und die Entstehung des Islam handelt. Aber auch in den übrigen Abschnitten :findet sich so. mancherlei, das für die islamisch-jüdischen Beziehungen von Wichtigkeit ist, wenn auch die spezielle Berücksichtigung dieser Be- .Ziehungen über den Plan des Werkes hinausgeht. Josef H, Paul Nettl, Alte jüdische Spielleute und Musiker. Verlag Dr. Joseph Fiesch. Prag 1923. Paul Nettl gibt uns in seiner Schrift: Alte jüdische Spielleute und Musiker, eine außerordentlich anregende und lehrreiche Arbeit. In der Einleitung geht er auf die Eigenheiten der jüdischen Musiker des 19. und 20. Jahrhunderts ein und hebt besonders hervor, daß diese mangels •eigener Ueberlieferung und eigentümlicher Gestaltungskraft vermöge der allgemeinen großen jüdischen x\npassungs- und Einfühlungsfähigkeit die von^ ihnen gepflegten Kunstgattungen weit über die Maße ausbildeten, die sie von ihren Vorbildern übernommen, und aus ihnen alles herausholten, was nur möglich war. Er sucht dies kurz an den Beispielen von Krakauer, Bi ze’t, Mendelssohn, Offen b ach und Mahler zu beweisen. Davon überleitend, geht er auf die in weiten Musikerkreisen völlig unbekannten jüdischen Musiker des 16. bis 18. Jahrhunderts ein. Er nennt eine ganze Reihe von jüdischen Musikern, die teils als Virtuosen, teils als schaffende Künstler an den italienischen Fürstenhöfen, den Pflegstätten der Musik, eine große Rolle gespielt haben. Ganz besonders ausführlich bespricht er den in der Musikgeschichte auch sonst hervorgehobenen Salomone Rossi, der um die Wende des 18. Jahrhunderts gelebt hat, und dem wir eine Reihe wertvoller Instrumental- und Vokalkompositionen verdanken (Symphonien, Sonaten, Motetten, Madrigale), unter anderem aber auch ein größeres synagogales Werk: ״Salomonische Gesänge, Psalmen, Hymnen und Tempelgesänge“. Nettl rühmt besonders den Madrigalen außerordentliche Klangschönheit und ausdrucksvolle, ruhige Formenschönheit nach. Mit Vorliebe habe Rossi altitalienische Tanzweisen, besonders Volkstänze bei seinen Kompositionen z. B. in Variationssonaten verwendet. Sehr bemerkenswert ist der Hinweis, daß sich eine dieser Tanzweisen, eine Bergamasca von 1622 mit unwesentlieber Abwandlung in der meistverbreiteten Singweise des ,,Ledawid Baruch“ wie der finden läßt. Im 2. Teil seiner Schrift behandelt N. die jüdischen Musiker der frühen Neuzeit in Deutschland. Hier seien sie schöpferisch nicht so sehr hervorgetreten, wie in Italien, weil sie in Deutschland nicht diese Freiheiten genossen wie in dem Stammlande der Musik und daher ihre schöpferischen Fähigkeiten nicht so sehr entwickeln konnten. Sie waren deshalb hier nur Musikanten, fahrende Spielleute. Sie bieten daher mehr volks- und kulturgeschichtliche als musikalische Belange. Ihr Hauptbetätigungsgebiet waf das Aufspielen zum Tanz bei Hochzeiten und sonstigen Festlichkeiten, auch in christlichen Kreisen.. Berühmt waren besonders die Prager jüdischen Spielleute. Sehr bemerkenswert ist, daß wir eine Reihe von diesen Judentänzen erhalten haben, die ganz besonders eigenartig sind, weil in ihnen auch die Eigentümlichkeiten jüdischer Tempelmusik hervortreten. Dabei geht N. auf Besonderheiten ein* die in eigenen Skalen, in eigenartigen Rhythmen und .Taktarten ihren Aus-* druck finden. Hinweisen möchte ich dabei den Verfasser auch auf die Arbeit von Singer (yerst. Oberkantor in Wien), welcher der ganzen überlieferten jüdischen Tempelmusik 3 Skalen (Steiger) zu Grunde gelegt wissen will.