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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 259

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1924-01-01
Page
Seite 259 (sequence 1)
Language
German
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25.9 beschichte hätte doch etwas ausführlicher dargestelit, nicht auf 8 Seiten zussunmengedrängt werden müssen. Auch, die neuere Geschichte tritt zu sehr hinter der Schilderung der Gegenwart, zurück. Neufeld-Insterburg. ד*עת עמנו מאח יעקב דבעזון\ Berlin, Verlag ״Ajanoth“, Charlottenburg, Kant- Straße 92. ,,Jüdische Volkskunde“ betitelt sich das schmucke Büchlein insofern snit Recht, als es zwei wichtige Ausschnitte aus diesem Forschungsgebiete sachkundig und übersichtlich behandelt. Nach einer einleitenden Zusammen- Stellung der Gesichtspunkte für die Bearbeitung des Stoffes und einer wirksamen Anleitung für Lehrer zur Mitarbeit gruppieren sich unter der Rubrik ד.,Demographie“ die Kapitel: Statistik, Ethnographie und ־Soziologie, Wänderungen der Juden, Geisteskultur und Hygiene. Der zweite Teil, für den der 'Verfasser den Terminus ״Natiölogie“ gewählt hat, umfaßt die Fächer': Volkstum, der jüdische Stamm, Sprachen der Juden, Religion, Organisation und Autonomie, Nationalismus und Antisemitismus. Das Buch hält, was es verspricht. Es füllt eine Lücke in unserem jüdischen ^Schrifttum aus. Nimmt darin bisher die historische Behandlung des Judentums einen übermäßig breiten Raum ein, so tritt uns dieses hier als 'Gegenwartserscheinung, als 1 e b e n der Faktor entgegen. Das Buch ergänzt unsere Literatur, wie die Geographie die Geschichte. Auf 172 Seiten wird, kritisch gesichtet und bei aller Knappheit fließend und anregend dargestellt, auf Grund aller brauchbaren Vorarbeiten der Tatbestand objektiv vorgeführt. 'Eine vortreffliche Einführung in eine Materie, deren Kenntnis unerläßlich für Jeden ist, der, sei es .wissenschaftlich oder praktisch, zu dem Judentum Stellung nimmt. Schon sein Charakter als Nachschlagewerk, dessen Daten fortgesetzter Ergänzung und ־Revision bedürfen, sichern dem Buche zahlreiche Auflagen. Grunwald. Walter Sulzbach: Vorurteile und Instinkte. Eine Untersuchung über die Rassenabstoßung und den Antisemitismus. Berlin, Osterheld & Co. 1923. 68 S., 2 Mark. ־ . •־ . Die Erscheinung des Antisemitismus läßt drei Erklärungsversuche zu: Die Juden sind eine niedrig stehende Rasse, ein Volk von Händlern und Beirügern, mit ihrem ausschließlich kritischen Geist ein Element der Zersetzung, nirgends wurzelhaft, überall fremd. Hätte diese These, die ein umfangreiches <e m p i r i s che s Material zn ihrer Bestätigung heranzieht, recht, dann wäre -auch der Antisemitismus berechtigt. Allein die Erfahrung zeigt, daß sich minbestens ״ ebenso viele «Argumente gegen wie ■für diese Annahme geltend machen lassen; also, folgert man, ist der Antisemitismus ein Vorurteil, das angesehen wird als Ausfluß menschlicher Dummheit und Böswilligkeit, die sich verhetzender Methoden bedienen, um der Wahrheit den Weg• zu versperren. . Mit dieser Anschauung kann man sich indessen, so meint Sulzbach, nicht zufrieden geben; es fragt sich vielmehr, ob nicht ein ״irrationales Moment als das eigentliche Movens“ gesucht werden müsse. Handelt es sich nicht ־vielleicht bei dem Antisemitismus um einen .Rasseinstinkt, einen Instinkt der ״Arier“ gegen den ,,Semiten“? Ausgehend von einer Analyse •des Instinktbegriffes kommt Sulzbach zu der Anschauung, daß alle Merkmale *des Instinkts, . Unbewußtheit, Zweckmäßigkeit, Gleichförmigkeit, Erblichkeit usw. auf den Antisemitismus nicht zutreffen. Wie. ist aber die Erscheinung des Antisemitismus dann zu erklären? Sulzbach zeigt, daß wir an die Erkenntnis sozialer Tatsachen immer schon mit .?gewissen ״Vor-Einstellungen“ herangehen, daß es auch ein ״soziales A priori“ .gibt. Aus dieser Vor-Einstellung' heraus wird die Phänomenologie des Antisemitismus verständlich. Der Jude wird a priori als Fremder vor- :gestellt, woraus sich ergibt, daß sein Verhalten anders gewertet werden muß als das inhaltlich gleiche seiner nichtjüdischen Umgebung. Für das ״Verstehen“ •des anderen spielt dieses ״A priori“ eine wichtige Rolle; wir erwarten, daß .sich das .einzelne Glied einer Gruppe in bestimmter Weise verhält,- und finden diese Erwartung dann (scheinbar) auch bestätigt. ״Das Begreifen geschiehtlieber Vorgänge auf Grund der Ueberzeugung, daß die Juden sehr mächtig ’-und sehr schädlich sind, bilden Kern einer jeden Argumentation, durch die

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