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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 3 · p. Seite 255

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 3
Article
[Rezension]
Date
1924-01-01
Page
Seite 255 (sequence 2)
Language
German
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255' ■'■יי■■■ י Schritt."und Tritt auf Widerspruch gefaßt sein muß, dessen ist H..sich wohl bewußt.; Trotzdem glaubt er auf eine eingehendere Begründung seiner Auf״ •Fassungen im einzelnen mit Rücksicht auf die Schwierigkeit der ־Wirtschaft■* liehen Verhältnisse verzichten zu müssen und verweist zur Ergänzung auf *eine Reihe von Schriften und Monographien, -die er selber zu verschiedenen in Frage kommenden Themen verfaßt hat. Die für die religiöse Entwicklung des Judentums außerordentlich fruchtbare Zeit der Entstehung des palästinischen und babylonischen Talmud behandelt H. bedauerlicherweise nicht mehr. Auch beschränkt er seine Arbeit auf die Entwicklung der jüdischen Religion im Orient oder genauer gesagt: auf Palästina und die von hier aus durch die Juden besiedelten Gebiete und lehnt daher beispielsweise eine Behandlung der mittelalterlichen Religiönsgeschichte des Judentums im Ab endlande, als in keinem organischen Zusammenhänge mit dieser Entwicklung stehend, ab. Hingegen läßt H. seiner Darstellung einen außerordentlich instruktiven, vielleicht im Verhältnis zum Ganzen etwas zu ausführlichen Abschnitt über die vorgeschichtlichen Vorstufen der semitischen .Religion vorangehen, in dem ■er die Elemente des mythologischen Denkens und der Zauberbräuche und ihr Verhältnis zu den entwickelten Vorstellungen und Kultformen der-späteren hebräischen Religion behandelt. Seine eigentliche Aufgabe umfaßt demnach fünf Epochen: die altisraelitische und die assyrisch-babylonische, die persische und die hellenische und endlich die frührömische, die er in je einem Kapitel behandelt. Um den Standpunkt des Verfassers zu kennzeichnen, sei bemerkt, daß er den a 11 israelitischen Gott als einen Gott der Wüste betrachtet, der ׳einsam auf seinem Berge in der Wüste hauste oder an der Spitze seines Da- :monenheeres in den Kampf zog. Mose ist ihm der Ahnherr der Priester von . Kadesch. Ein sehr bunt gestalteter Götter-Dämonen-, Ahnen- und Totenkult, der im einzelnen beschrieben wird, blühte auch, unter den Israeliten und Judäern der früheren Königs zeit. Die allmählich sich vollziehende Assimilation zwischen dem Kulte des Wüstengottes und den kanaanäischen Veg.etations- Jnilten und daran anschließend der siegreiche Kampf gegen diese Baalskulte bilde den eigentlichen Inhalt der israelitischen Religionsgeschichte in voruxilischer Zeit. Für H. ist der Sabbat, weil er häufig mit dem Neumondstag zusammen genannt wird, ebenso wie der babylonische sabbattu, ursprünglich der Vollmondstag. Die Verbindung von Sabbat und dem siebenten Tage sei erst seit dem Exil erfolgt. Da H. israelitischen Gotteskult und Ba,alskult für die früheste Zeit fast völlig identifiziert, kommt er zu seltsamen Erklärungen wie: Pessach bedeute ursprünglich Hinktanz, das alte Wort für Fest, chag, eigentlich Kulttanz, auch das üblichste Wort für beten, hitpallel, bedeute, ursprünglich:׳ sich verwunden. Als äußeres Abzeichen der frühesten Propheten ln Israel nimmt H. auf Grund einer ähnlichen Sitte in Syrien und Aegypten auch die Tonsur an und sucht diese Auffassung auf Grund von II Kon 22? zu erhärten. Die Behauptung Hölschers, daß die meisten Erzählungen über Elia erst nachträglich von Elisa auf jenen übertragen worden seien, erscheint merkwürdig. Die Schriftpropheten sind bei aller Würdigung, die ihnen zuteil geworden ist, verhältnismäßig kurz behandelt. Ob aus Hosea 58 zu folgern ist, daß der Prophet Benjaminit war, scheint mir־fraglich. Von Jesaja wird sehr *schön gesagt, wie er zuerst die Religion in voller Schärfe formuliert habe als ,,eine Betrachtung der Dinge, die höher ist als die Vernunft des Alltags“. Bei der Behandlung Jeremias als des größten Lyrikers der alten Zeit ist die allzu große Abhängigkeit von dem genialen Duhm in gewissem Sinne zu bedauern, da er zu viel aus unserem Jeremiabuche als unecht oder zweifelhaft ausscheidet .und ihn nicht einmal als den Vater des Individualismus in der Religion an- ^erkennen will. Die Beeinflussung Ezechiels von babylonischer Mythologie und babylonischem Stile wird* an einer Reihe von Beispielen gezeigt und zugleich behauptet, daß nicht der P r 0 p h e t Ezechiel, sondern der erst im fünften Jahrhundert schreibende Verfasser des nach jenem genannten Buches der Gesetzeslehrer und Vater des späteren Nomismus geworden sei. Deuterojesaja bedeutet für H. die Vollendung der israelitisch-jüdischen Gottesanschauung; .unter dem Gottesknecht versteht er nicht wie Duhm u. a. eine Einzelperson, .sondern ganz Israel. Der Dekalog gehört nach ihm erst der exilisch-nacli- ׳exilischen Zeit an1), was schon daraus folge, daß die Vorschrift des Sabbats x) Ueber Sellins Schrift ,,Mose“, die den Dekalog in vorprophetische :Zeit setzt, vgl. MGWJ 67, 142.

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