Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 253 (sequence 1)
- Language
- German
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253 Theologie des Alten Testaments, kritisch und vergleichend dargestelit von Eduard König, Belsersche Verlagsbuchhandlung. Stuttgart 1922. Im Vorwort nennt König dieses Werk ״den Kern, und Stern“ seiner Lebensarbeit. Diese war nicht klein, denn wir verdanken ihr eine Fülle ausgezeichneter, großer und kleiner Werke; wir wollen wünschen und hoffen, daß dem ebenso vornehmen als bedeutenden Forscher noch lange Jahre seines Gelehrtenlebens gegönnt sein mögen. Es erscheint verständlich, daß dieses Werk ihm besondere Freude bereitet, was auch daraus ersichtlich sein mag, daß er es seiner lieben Frau, der tapferen Teilnehmerin an seiner Lebensarbeit in herzlicher Dankbarkeit widmet. In der Behandlung der Theologie des Alten Testaments in systematischer Form ist wohl mit diesem Buche das Beste geleistet, was wir bisnun besitzen. In neuerer Zeit wird immer nur Geschichte der israelitischen Religion geschrieben. An Versuchen, ein System der biblischen Theologie aufzubauen, hat es nicht gefehlt. Den jüdischen Forschern und Kennern der Bibel und ihrer klassischen Kommentare war das kein dringliches Bedürfnis, denn sie hatten in den Codices dieses System niedergelegt, wobei die Talmude stets als untrügliche Quellen befragt wurden. Dazu kamen die religionsphilosophischen Werke späterer Zeit. Wenn diese jüdischen Gelehrten und Theologen auch keine kritisch-wissenschaftlichen Tendenzen leiteten, so waren sie doch von so tiefer Kenntnis des ganzen Judentums erfüllt, daß ihnen nichts entging. Die lebendige Kraft gelebten Judentums ergänzte dieses positive Wissen. Sie waren sich über Stellung und Wert der Ethik und Religion der biblischen Schriften vollkommen klar, wenn ihnen auch die archäologischen, philologischen, historischen und religionsgeschichtliehen Hilfsmittel moderner Forschungsweise fehlten. Ohne die Wichtigkeit und Bedeutung der letzteren zu schmälern, kann gesagt werden, daß bis auf allerdings viele Einzelheiten, das vom jüdischen Volk empfangene Bild, welches jene entworfen hatten, das richtige war. Die kritische Schule und Forschung der Gegenwart hat dieses Bild vielfach verändert und nicht selten verzerrt. Aber auch bei Einzeichnung neuer Züge wird das Antlitz der Bibel und ihrer Theologie im Wesen nicht berührt. Die einzigartige, besondere Stellung biblischer Gottes- und Lebens-Lehre bleibt nach wie vor aufrecht, mag sie noch so hell von den religionsgeschichtlichen Ergebnissen beleuchtet werden, welche aus dem Vergleiche Israels mit den Völkern Vorderasiens und seiner Berührung mit ihnen resultieren. Das zu zeigen und Wissenschaftlieh zu erweisen hat König unternommen. Und er ging an dieses Werk in voller Rüstung. Auch nicht das kleinste Detail modernster kritischer Unter- Buchung ist ihm entgangen. Er setzt sich mit allen Richtungen, Theorien und Hypothesen auseinander und stützt sich ausschließlich auf die richtige Erfassung und Exegese der Urtexte, die er bis in die feinsten Falten und gründliebsten Tiefen abhorcht. — Auf diesem Wege gelangt König in scharfem Gegensatz zum größeren Teil moderner Kritiker und Historiker zu Resultaten, welche mit den Annahmen der jüdischen Tradition fast durchaus im Einklang stehen. So z. B. die Ueberzeugung von der fest verankerten, sie hoch emporragenden Stellung der Religion Israels über die Religionen der anderen Völker schon zur Zeit Abrahams, wie überhaupt in der Patriarchenzeit; die Unrichtigkeit der Voraussetzung einer dem Fetischismus, Totemismus, Ahnenkult ergebenen Volksreligion; die Zurückführung des Monotheismus auf in Kanaan, herrschenden Babylonismus; die Unmöglichkeit, Babylonien als Heimat monotheistischer Religion zu betrachten. Auch das Beduinenideal als den Vater der prophetischen Religion ־hinzustellen, erweist sich als unmöglich. Der richtige Aufschluß über den Ursprung der besonderen religi ons geschichtlichen Stellung Israels kann nur in dem von ihm über diesen Ursprung zum Ausdruck gebrachten historischen Gesamtbewußtsein gesucht werden. Das Zeugnis dafür liegt in den alttestamentlichen Propheten. Die legitime Religion Israels hat von Anfang an Propheten, religiöse Sprecher, als ihre Organe besessen. Un geschichtlich ist es, die Propheten mit Derwischen oder sie überhaupt mit anderen Prophetenarten zu vergleichen- Sie sind frei von egoistischem Interesse, besitzen die intellektuelle Fähigkeit für ihre Aufgabe, Klarheit der Selbstbeurteilung, die Mission und Berufung durch den sie erfüllenden ,,Geist Gottes“, der ihre Kraftquelle ist. Wenn Wellhausen neuestens wieder sagt, daß von seinem religionsgeschichtlichen ־Standpunkt aus, die Stellung Israels in der Reiigionsgeschichte nicht erklärt