Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 5)
- Language
- German
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252 -namentlich aus Spanien und Portugal. Ueber die zeitgeschichtlichen Stücke im Schebet Jehuda handelt Kap. VL Verga hat die furchtbaren Szenen des Jahres 1497 in Portugal gewiß miterlebt und es bleibt unbegreiflich, warum er sie in seiner Darstellung absichtlich unterdrückt und an einer Stelle in Nr. 12 den König Manuei, den die übrigen jüdischen Zeitgenossen als den schlimm* sten Judenfeind bezeichnen, sogar מלך חסי־ד nennt. Interessant ist Baers Nachweis, daß V. Nr. 11, wo von Verfolgungen in Savoyen, Piemont, •Lom* bardei etc. die Rede ist, gleichwohl in Portugal spielt. Eine Quelle hierfür wird bei V. nicht genannt, aber die Länder, die er anführt, sind aus Abravanel zu Ezechiel c. 20 abgeschrieben, dabei werden alle die Verfolgungen, die V. erwähnt, von ihm in das Jahr 1490 verlegt und Erinnerungen aus seinem Leben und seiner Heimat eingeflochten, ohne daß von Portugal auch nur mit einem Worte die Rede ist, wodurch er seine Leser, auch Graetz und Loeb, gründlich getäuscht hat. Das letzte Kap. VII behandelt den Verfasser und die Bedeutung des Buches Schebet Jehuda und kommt 2u dem Ergebnis, daß in diesem Buche zwar nicht eine scharfe Disposition, wohl aber ein durchsichtiger, von bewußter Absicht geleiteter Aufbau zu erkennen ist. Wenn ich mich auch dieser Meinung nicht ganz ohne Einschränkung anschließen möchte, so ist es doch unzweifelhaft richtig, daß Schebet Jehuda nicht, wie Loeb meint, eine plan- und wahllose Anhäufung von Erzählungen ist, sondern die Schöpfung einer einzigen ganzen Persönlichkeit, ein äußerst anregendes, wirkungsvolles, durchaus aktuelles Buch; ״es ist innerhalb des christlichen Kulturkreises die erste von einem Juden in hebräischer Sprache verfaßte Schrift über die Judenfrage“. Baers Untersuchungen sind eine verdienstvolle Leistung, eine gewissenhafte, gründliche, wertvolle Arbeit, die sowohl dem Verfasser als auch der Akademie für die Wissenschaft des. Judentums, unter deren Aegide sie erschienen ist, zur Ehre gereicht. Nachschrift. Daß der Namen Don Vidal Benveniste bei V. von dem Bearbeiter des Berichts über die Deputation zu Tortosa durchweg interpoliert sei, habe ich oben, auf Baers kritische Bedenken gestützt, als wahrscheinlich angenommen, muß aber nachträglich mich dahin berichtigen, daß zunächst die Person eines R. David Benveniste als eines der Abgeordneten zur Disputation unzweifelhaft feststeht. Nach einem von Ad. Poznanski in REJ. t. LXXV, p. 74 veröffentlichten Auszuge aus den Anales de Aragon ist R. David Abenpinac (d. h. ר' דוד בנבנשת) aus Huesca brieflich nebst 6 anderen zur persönlichen Teilnahme an der Disputation aufgefordert worden. Bei der Disputation war auch ein Dichter Don Vidal b. Labi (Benveniste) zugegen, s. Steinschn. G. B. Nr. 7348, p. 2705. Ein angesehner Rabbiner דון וידאל בנבנשת (Ende des XIII. Jahrh.) wird im Diwan des Dichters Salomo da Piera (siehe über ihn Brody .in D. Kaufmann * Gedenkbuch) rühmlichst erwähnt. Ich besitze eine Handschrift von dieser Gedichtsammlung, worin ein in Reimprosa geschriebener Brief sich findet mit der Aufschrift: אוצר נחמד קבוצים שם מלתהות החושבחות ושפוני טמוגי בבוני הסגולות חשובי וכרובי הר׳ דון וידאל בנבנשתך לביא. . Eine weitere Notiz daselbst als Einleitung eines Gedichtes lautet: החכם המשורר דון וידאל שירותיו מתהלפי 'המשקלים ואין ערוף (sic.) באן בנשח בר* הקריב לפני אשכר'מבהרות אז אמרתי (sic) עליהם. Und einem anderen Gedichte da Pieras .geht die Be* merkung voran: וכתבתי לשלם המעולה דון וידאל בן באנבנשת נר-ו קבל עלי בהרווים מספרם ברח־ על אשר לא כתבתי לו דברים נחומים בעבור עליו סופת הפכות הזמן ונשתנו עליו סדריו Sicher ist sonach auch die Existenz eines angesehenen Rab* biners Don Vidal Benveniste Ibn Labi, der ein gewandter Dichter war, als eines d_er Teilnehmer. an der Disputation, dessen Identität jedoch mit dem zur Dis* putation befohlenen R. David Benveniste aus Huesca starkem Zweifel unter* liegt. Aber auch jetzt noch bin ich mit Baer der Meinung, daß dem Bericht bei V‘ hn manchen Punkten nicht zu trauen ist, daß vieles, wenn nicht gar alles, was V. über die Rolle erzählt, die Don Vidal bei der Disputation gespielt hat, insbesondere die Geschichte von der lateinischen Eröffnungsrede (arenga)^ die er gehalten haben soll, in das Reich der freien Erfindung gehört. Porges.