Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Notizen aus Dernschwams Tagebuch einer Reise nach Konstantinopel (1533/55)
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 2)
- Language
- German
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.242 geb. 1495, gest. zwischen 1567 und 1568., dessen Leben und Wirken vpn dem Herausgeber des Tagebuchs in einer längeren Einführung dargestellt wird, stand von 1525 bis 1548 oder 1549 im Dienste Anton Fuggers, als Kassier der Fuggerschen Handlung in Ungarn. Die 275 Druckseiten seines Reise- Tagebuches, das von Anfang bis zu Ende den wissensreichen Mann, den feinen Beobachter, den menschen- und weltkundigen Erzähler verrät, enthalten nicht, .nur eine Fülle von persönlichen Erlebnissen und Eindrücken, sondern auch überaus zahlreiche geographische und historische, namentlich kulturgeschichtliehe Daten, besonders wertvolle Bemerkungen zur Volkskunde der Türken, Ungarn, Bulgaren etc. und auch manches über Juden, Da Babingers Buch, obwohl die Auflage bereits nahezu vergriffen ist, in jüdischen Kreisen doch wenig bekannt sein dürfte, habe ich daraus alle die Stellen, die etwas Neues oder doch Bemerkenswertes zur jüdischen Geschichte oder Kulturgeschichte enthalten, für die Leser der Monatsschrift exzerpiert. Mit Absicht weggelassen sind die Stellen, die allgemein Bekanntes oder nur Dernschwams eigene Gedanken und Empfindungen über Juden oder auch wertloses, nur vpm Hörensagen stammendes Gerede oder endlich die landläufigen Vorurteile und sattsam bekannten mittelalterlichen Expektorationen gegen Juden enthalten. Üm worterklärende Anmerkungen zu sparen, habe ich Dernschwams Sprache des XVI. Jahrh. in unser heutiges Deutsch übertragen und das wortgetreu Uebersetzte durch Anführungszeichen ersichtlich gemacht. S. 60 wird erzählt, daß die Türken alle drei Jahre aus den eroberten ■christlichen Ländern eine Auswahl der schönsten und geschicktesten Knaben (von 8—12 Jahren) als ,,Kinderzehnt“ nehmen, um sie soldatisch zu erziehen und (meist zu Janitscharen) auszubilden. Von den Juden aber nimmt der ־Türke keinen Kinderzehnt, ,,wird auch keiner wie die Christen gefangen oder verkauft, weshalb sie (sc. die Juden) unser ■spotten und uns auslachen.“ S. 68 ״Item die Juden und fremden .Kaufleute aus Polen, Reußen, Walachei und Ungarn wissen nach Bedarf aus- und einzureisen. Sie sind überall mit ihrer Ware frei, wenn sie nur dem Sultan1 seine Steuer zahlen .... Und ohne Zweifel sind alle Juden Kundschafter auf beiden Seiten, und wer es wagen will, der mag mit solchen Leuten leicht aus und einkommen, auch weiter hinein nach Aegypten und Asien reisen. Sie alle ziehen haufenweis, .weil die Araber Räuber sind.“ - S. 82 wird erzählt, daß Verböezv (der letzte Botschafter der ungarischen Königin Isabella bei der Pforte ).zum Kadi über die Christen in Ofen eingesetzt, einen Fluchtversuch gemacht, dabei gestorben und auf dem Judenfriedhof in Ofen begraben worden ist (Mitte des XVI. Jahrh.). S. 9.7 wird die an die jüdischen Schächter in Konstantinopel zu entrichtende Gebühr erwähnt ״von jedem Huhn ein ternes das sind 3 Mangurn, ■deren je 24 einen Asper machen2. S. 101 ״So pflegen die Griechen und Juden die Weinlesen zu arendieren, sie lesen, pressen und fehsnen3 die Weine selbst und führen sie gegen Kon- .stantinopel und anderswohin. Die Griechen gießen viel Wasser in ihre Weine; die Juden aber meist nicht. Und unter den Juden findet man die besten und meisten .Weihe von allen Orten. — S. 102 ״Dergleichen mit Kalk zubereitete - Weine sind durch ganz Konstantinopel bei Griechen und Juden, von vielen Orten und Inseln her eingeführt. Man spürt es von Stund an am Geschmack und über Nacht im Mund. “ ■— S. 103 ״Gegen die Weinlese im Herbst reisen *die Griechen und Juden mit den Fässern hin und wieder in alle Inseln, wo- ■selbst sie die Weinlesen erstanden und Geld darauf gegeben haben. Sonst findet man nicht viel Fässer auf dem Land, und wenn sie auch viel Wein , hätten, wie in Oesterreich4.“ 1 Im_Text steht für ,,Sultan“ regelmäßig Kaiser. 2 Ternes halte ich für spaniolisch Dreier, mangir ist eine türk. Kupfer- .Scheidemünze (Babinger z. St. Anm. 804), Asper im Hebräischen!לב,- dieses in der Bedeutung ״Weißling“ aus dem Türkischen übersetzt. Der Asper hatte damals einen Wert von;höchstens 2/10 Pfennig. 3 Statt .fehsenen muß wohl fessenen gelesen werden in Fässer füllen. ■ 4 Im Test ״wie in ost [ •]. .Der .Herausgeber ergänzt unrichtig ost[ern], richtig ist ostferreich]. .. ü