Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Die Taufbewegung unter den polnischen Juden im XVIII. Jahrhundert
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 238 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829925-2832227--45841-2832309- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Głogów 1× ep/1047915
OCR text
238 Aus Tabelle I sehen wir, daß die Taufen der jüdischen Frauen die der Männer übertreffen. Während die uns bekannte Zahl der getauften , Männer nur 367 beträgt, so ist die Zahl der getauften Frauen nach den angegebenen Matrikeln 975. Allerdings fehlt uns die genaue Kenntnis, der 800 durch Türczynowicz bekehrten Neophyten, von denen wir nicht wissen, wieviel es darunter Frauen und Männer gab. Die Zahl der getauften Kinder beträgt 258, von denen die meisten auf die Frankisten entfallen, während die Zahl der nichtfrankistischen nur 19 beträgt, die der frankistischen Kinder 239 Seelen. Die Zahlen der von Türczynowicz und den Maryavitinnen vollzogenen Kindertaufen ist unbekannt. . Unter den Kindertaufen sind sehr viele Fälle von Kinderraub zu verzeichnen, im Gegensätze zu den frankistischen Kindern, die freiwillig von ihren Eltern der Kirche zugeführt worden sind. * Die ersten Taufen, von denen wir wissen, fanden im Jahre 1710 statt, die meisten wurden in den Jahren 1740—1750 und 1760—1775 vollzogen. Dem Älter nach sind die meisten Neophyten jung, mit Ausnahme der Frankisten, unter denen sich auch ältere Männer und Frauen befinden. Im allgemeinen schwankt das Alter der nichtfrankistischen Täuflinge zwischen 18 und 40, das der Frankisten und ihrer Frauen zwischen 17 und 67. Das Alter der Kinder sch wählet zwischen dem; 1. und 14. Lebensjahre•. 1 Sämtliche Neophyten haben den römisch-katholischen Glauben angenommen, nur ein einziger Jude, der Arzt Abraham Emanuel 'Wolf aus Prag, der um das Jahr 1750 nach Polen als Hofarzt berufen wurde, nahm im Jahre 1762 in Glogaü die Augsburger Kon- ״ fession an1. Unter den Getauften sind auch nichtpolnische Juden zu finden. ׳ So tauften •sich im Jahre 1772 und 1777 zwei böhmische, 1764 ein italienischer und 1773 ein preußischer Jude. Die Zahl der im XVIII. Jahrhundert getauften Juden ist dem 'ersten Anscheine nach ziemlich groß; doch im Verhältnisse zu der damaligen jüdischen Einwohnerzahl, die sich zwischen 1% und 1 Million Seelen bewegt, ist sie klein. In prozentualer Hinsicht können wir konstatieren, daß im Laufe der hundert Jahre nur 0,15% bis 0,13% (darunter sind 18,8% Männer, 50,3% Frauen, 5,9% Kinder und 25% unbekannten Geschlechts, das sind die 500 Täuflinge des Türczynowicz) vom Juden- . tum abgefallen sind. * * * Welche Gründe waren es, die die Juden der Taufe zugeführt haben? P^־ Von Juden, die sich aus Ueberzeugung getauft hätten, können wir kaum sprechen. Ganz andere Gründe haben die Männer und ganz andere die Frauen zur Taufe gezwungen. ' Die jüdischen Männer, die sich in diesem Jahrhundert getauft haben, zerfallen, in zwei Klassen, in die der armen und der wohlhabenden. Die armen Juden, deren ökonomische Lage infolge der •' ' Jeske Choinsiu 1. c. 43. *'