Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 174 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829924-2832094--45756-2832197- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
. ־־; ' ' ■־'־'"■ י■;■ 174 Kaiser Antoüinus, nimmt also in der Antoninus- und Rabbi-Frage:die Hypothese von Rapoport (im Kerem-Chemed 4) auf; vgl. über das ganze Problem K r a u s s, Antoninus und Rabbi, XVII. Jahresbericht der Israelitisch-Theologischen Lehranstalt in Wien, 1910. Von hier aus dürfte m. E. diese Streitfrage nicht gelöst werden können. Zuletzt nennt die Einleitung die wichtigste Literatur;; diese Angaben lassen erkennen, daß K. die ed. maior des griechischen Textes (ed. Schenk! bei Teubner) leider nicht gekannt und benutzt hat.; Die Uebersetzung selbst enthält sehr reiche Anmerkung e n, deren Hauptziel es ist— neben Stellenangabe von Zitaten, Verweisungen auf ähnliehe Aeußerungen u. a. — Mac Aurels Lehren und Mahnungen mit Mitteilungen aus dem r a b b inischen J ud e n turazu parallelisieren, d. h. die Grundläge zu schaffen für die Behandlung des Verhältnisses von Stoa und Judentum, eine Aufgabe, an die sich von jüdischer Seite1 zuerst Bergmann (,,die stoische Philosophie und die jüdische Frömmigkeit in der Cohen-Festschrift Judaica, S. 144 ff. und z. T. auch im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur, 1917, ״ Judentum und Griechentum“, S. 41 ff.) gemacht hat. Der große Wert dieser Anmerkungen ist unverkennbar; obwohl sie mitunter nicht ganz zutreffend sind, bisweilen auch wichtige Parallelen fehlen, werden sie doch außerordentlich dazu beitragen, festzüsteilen, inwieweit das rabbinische Judentum durch die Stoa beeinflußt ist, bezw. inwiefern beide Ethiken, getrennt von. einander, ja selbst auf eigenen Wegen zu demselben Ziele gelangt sind. Der Uebersetzer befleißigt sich in dieser Gegenüberstellung einer löblichen Vorsicht, und betont mit Vorliebe die ,,Möglichkeit“ einer Abhängigkeit oder die merkwürdige Liebereinstimmung, ohne daß er das Prius einer Stelle oder die eigentliehe Quelle einer Aeußerung bestimmt angäbe. Die äußere Aehnlichkeit ermöglicht freilich nicht immer ein Vergleichen des Inhalts. Ich würde z. B. den Ansspruch des R. Simeon ben Gamliel לא המדרש עיקר* אלא המעשה (ygl. K.’s Einleitung S. XVI) nicht mit Senecas Worten facere docet pMlosopMa, non dicere (ep. 20a) zusammenstellen; denn $011 .מעשה die Uebung der religiösen Pflichten betonen, die beim Lernen angeeignet werden, facere bei' Seneca dagegen will besagen, daß der Hauptwert philosophischer Bestrebungen in der Förderung praktischer Ethik liege. (Auch die Parallele Bergmanns — in der Gohen-Festschrift S. 149! — ■si vis amari, ama (Seneca ep. 9C) איזהו מכיבדהמבבד את הבי־יות (Aboth 4!) —ist nur äußerlich.) Noch weniger läßt sich Theophrasts Ansicht — bei Marc Aurel 210 die aus Lust begangenen Vergehungen ,seien schwerer als die im: Affekt verübten — mit M. Aboth 2! (K. schreibt z. St.:הוי זהיר ב מציה קלה בבחמירה: (השיה vergleichen; die Erfüllung leichter und schwerer Pflichten hat doch mit der Bewertung der in verschiedener Stimmung und aus ungleichen Motiven begangenen Sünden nichts gemein. Recht hat K. wohl, wenn er zu 1* — M. Aurel erzählt von sich, daß ein niedriges Bett und Tierfelle sein Nachtlager gewesen seien — auf Aboth 64 דך דדא דרכה של ת־דה verweist; er hätte aber auch daran erinnern sollen, daß der Kaiser das Kynikerbild des Diogenes zeichnen will, zumal er selbst hinzufügt:- ,,und was sonst zu dieser (kynischen) griechischen Lebensführung gehört“. Zu 11! wo M. Aurel von dem Mann mit 40 Jahren sagt, daß er das Werden und Wandeln der Seele bereits so weit überschaut, daß er in Vergangenheit und Zukunft schon einen bedeutenden Blick tun kann, wäre wohl auf M. Aboth 52! ב׳ אי־־-עים לבינה zu verweisen; diese Anschauung steht vielleicht unter griechischem Einflüsse, da die Zahl 40 im Leben des Griechen eine nicht unbedeutende Rolle spielt (ygl.-Boll, Neue Jahrbücher für das kl. Altertum, 1918 (31), 102 ff., bes. 1032 und für die Bedeutung der Vierzig-Zahl im Judentum Krenkel, Josephus und Lucas, S. 171/2). Im einzelnen möchte ich Folgendes als besonders lobenswert hervorheben: S. 43= B. 18 weist K. zu M. Aurels Aussage, sein Lehrer Apollonius sei ihm ein Beispiel dafür gewesen, wie derselbe Mensch (gegen sich) streng und (gegen andere) nachsichtig sein könne, mit Recht auf die M. Bezah 23 hin, die vom Vaterhaus des R. Gamliel berichtet, es wäre מחמ־ד.לעצמי־ דמקיל לאחדים gewesen. S. 492;B. 634 ist die Parallele mit Seneca, de vita beata VII, 3 sehr gut. S. 613 B. 7. 47/8. Die Verbindung der beiden. Paragraphen scheint mir richtig zu sein, sie ist nicht ohne Schwierigkeit, da gewöhnlich der zu zitierende Autor 1 Das Verhältnis zwischen Stoa und Christentum ist zuletzt und am ausführlichsten durch A. Bonhoeffer (Epiktet und das Neue Testament, Religionsgeschichtliche Versuche und Vorarbeiten X, Gießen 1911, klargelegt worden.