Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Liturgisches
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 164 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829921-2829924-2832090--45738-2832187- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
164 Dieses starke Für und Wider in Rosehhaschana und Berachot muß einen geschichtlichen Hintergrund haben. Er kann nur d a rin liegen, daß den älteren Geschlechtern noch der Opferdienst des ehemaligen Tempels im Sinne lag. Ein Eleasar ben Äsarja, ein׳ Gamäiiel, Schammaiten in ihrem Bestreben, so nahe wie möglich jenen Erinnerungen zu bleiben, wollten das Mussaf, das Opfergebet in erster Reihe (auch die anderen Gebete begleiteten das Opfer), nur in der Gemeinde ermöglichen und an keiner anderen Stätte, wie man schon früher das Opfer als Sache des ganzen Volkes den Sadduzäern abgerungen und durch Maamadot es zu einer öffentliehen Angelegenheit gemacht hatte. (Taanit 29, Menaihot 66a, und der Traktat Tamid.) Nach dem Falle des Tempels wollte man wenigstens das Mussaf so festhalten; so wollten es Eleasar ben Asarja und Gamaliel, die Männer von Jabne. Wahrscheinlich war es später bedenklich, den einzelnen völlig auszuschließen, weshalb Juda, falls er ohne Stadt verband war, es ihm zugestand, und zwar im Sinne Eleasar ben Asarjas. Es handelte sich hier um alle Mussafgebete des Jahres. Später einigte man sich aus den oben angegebenen Gründen, wegen der damit verbundenen Schwierigkeiten, die Erschwerung nur bei den Formeln arizuwenden, die bloß einmal im Jahre zur Verwendung kommen, zum Neujahrsbezw. Versöhnungstag. Die älteren Halakha haben wir in Berakho.t, die das ganze Jahr betrifft; die jüngere in Rosehhaschana, die nur auf dies Fest hinweist, mit der überlieferungsmäßigen Maßgabe für den Versöhnüngstag: der einzelne sage das Widduj n a c h dem Gebet, der Vorbeter mitten darin (Ende Joma). 5) Aber beim Versöhnungstag handelt es sich ja nicht um Mm s s a f , sondern um alle Gebete des Tages. Vergesse man-jedoch nicht, daß bei der letzten Gestaltung der Sache der Opfergedanke nicht mehr alles beherrschte, sondern, wie wir am Ende von Roschhaschana sehen, die Frage nach der Möglichkeit des richtigen Zusammenbetens bei unbekannten Gebetsformeln. Waren doch auch die Tekiotstücke früher im Schacharit und nicht im Mussaf gewesen (s. Rosehhaschana 32b) — es dreht sich hier nur darum: Sind die Stücke jedem geläufig oder nicht? Und das ist bei den Tekiot und bei dem Widduj n i c h t der Fall. So stellt sich der oben angegebene Brauch durch die hier beigebrachten Einzelheiten als geschichtlich nicht unwichtig dar. Besprechungen BeÄ-Jehuda: Thesaurus totius Hebraitatis (== מלין etc.), Band IV und Vi Verlag G. Langenscheidt, Schöneberg bei Berlin. Ueber Ben־Jehudas großem Wörterbuch gibt es nur eine Meinung: es ist ein großes, gewaltiges, nützliches, ja unentbehrliches Werk. Wie es den nunmehr verstorbenen Verfasser ehrt, dieses großartige Werk in Angriff ge-■ nommen und zu gutem Teile fertiggestellt zu haben, so wird es das gesamte Judentum ehren, endlich und schließlich die Mittel aufgebracht zu haben, die den Abschluß des Werkes ermöglichen.