Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 9)
- Language
- German
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eines der sicheren Indizien jüngerer, theologisch bestirnmter ״Maeheff (daher nach B.äentsch R 5)״ Noch gröber Stade (bibl. Th. 90 f.): In der vorproßhetischen Zeit ist Gott ganz wie im Heidentum auch der Urheber des Schlimmen und Bösen, er betört den . Menschen und verstockt ihn, so daß er sich auf lehnt, und reizt sogar zu schlimmen Taten an, die seinen Zorn herausfordern. — — Es wäre wohl zwecklos, noch mehr Stimmen zu vernehmen, da sie schwerlich Neues aussagen würden. Wir können zusammenfassen: Beide Parteien sind befangen. Die jüdischen Ausleger gehen sämtlich von dem günstigen Vorurteil aus* daß die Willensfreiheit als biblische Lehre feststehe und daß alle ihr scheinbar entgegenstehenden Aeußerungen unbeschadet der gleichfalls feststehenden Lehre von der göttliehen Allmacht (oder, wie das Problem gewöhnlich formuliert wird, des göttlichen Vorherwissens oder des Notwendigen im Gegensatz zum Möglichen) zugunsten der menschlichen Freiheit, auszulegen seien. Dies geschieht aber nicht durch sprachliche und exegetische Begründung, sondern mit allgemeinen philosophischen und psychologischen Raisonnements. Der letzte Grund ist die ihnen selbstverständliche Annahme, daß der Pentateuch ein einheitliches und obenein inspiriertes Werk sei und keine Widersprüche enthalten könne. Die entschiedene moderne Kritik geht von dem ungünstigen Vorurteil der literarischen und demzufolge auch inneren Uneinheitlichkeit aus. Widersprüche kommen ihr daher gerade gelegen und sie ist, anstatt sie auszugleichen, beflissen, sie zu einer Stufenfolge von primitiven zu ausgebildeteren Vorstellungen zu ordnen, auch wenn sie sich damit in Widersprüche mit sich selbst verwickelt. Denn in Wirklichkeit vermag sie weder die Ausdrücke noch die Vor- Stellungen sauber zu scheiden. Hinsichtlich der ersteren muß sie mit Redaktoren und Korrektoren, mit Unsicher und Indessen arbeiten, und während die Redeweise von E noch heidnisch sein soll, ist es gerade P, der späteste Jude, der sie am entschiedensten ausgeprägt hat. Hingegen ist der ältere J, dieses Schoßkind der Kritik, als der natürlichste und ungöttlichste eigentlich der modernste; Freilich ist er eben noch nicht durch leidige Theologie verdorben, wofür ihn zu preisen diese christlichen Theologen nicht müde werden. Eine Exegese, die nur den wahren Sinn ihres Schriftwerkes sucht-, r hat sich von allen Voraussetzungen, sei es philosophischen oder theologischen, literarischen. oder religionsgeschichtlichen unabhängig zu halten und in der philologischen Interpretation wieder ganz von vorne anzufangen. ______ (Fortsetzung folgt.) Probleme der talmudischen Dialektik. Von Rabbiner Br. M. Eschelbacher in Düsseldorf. III. (Schluß) . Die talmudische Dialektik hat das Judentum gerettet, weil sie unsere Ueberlieferung vor dem Schicksal der Vergessenheit bewahrte und aus dem mächtigen Stoffe der Tradition ein Gebäude errichtet hat, in dem jede jüdische Idee Aufnahme fand. Es wird eine feste und im Ganzen unbestrittene Halachah gebildet, auf deren