Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Gott und Pharao
- Date
- 1924-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 1)
- Language
- German
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Gott und Pharao. Von. B. Jacob in. Dortmund-.; ־' ' ■ ■־ ■ ■־" : ־ :• ־ '■ ■■ I. .־;■־ ׳. :::: Wie kann Gott den Pharao für seine Verstocktheit bestrafen, da; wie die Schrift mehrfach betont (Ex 421, 73,10!, 144.1ל), Gott selbst es ivar, der Pharaos Herz verstockte und verstocken 'w 0111 e? Dieser Anstoß, den man nicht selten sogar aus dem Munde von Kindern hört, hat von jeher auch den Verstand der Verständigen beschäftigt. Ist es doch ein Hauptproblem in Religion und Philosophie, das in diesem biblischen Beispiel zu flagrantem Ausdrück 'kommt: der Widerstreit zwischen göttlicher Allmacht und menschlicher Freiheit, zwischen Bedingtheit und Verantwortlichkeit des Menschen. Der Erste, bei dem uns die Frage begegnet, ist Paulus im Brief an die Römer 9!4 ff. : Israel ist das aüserwählte Volk Gottes.;Das ist eine׳ Tatsache, für die es keine andere Rechtfertigung zu geben braucht als den einfach hinzunehmenden Willen Gottes, der nicht ungerecht sein kann. Gott hat zu Mose gesagt: ,,ich werde gnädig und erbarmend sein gegen wen ich will“. Also nicht auf (menschliches) Wollen und Laufen׳ kommt es an, sondern auf den erbarmenden Gott. (Andererseits) sagt die Schrift zu Pharao : ״Dazu habe ich dich erweckt, um* an dir meine Macht zu zeigen und damit •mein Name auf der ganzen Erde verkündet werde“. Also erbarmt er sich, wenn er will und verhärtet, wen er will. Du wirst mir nun sagen: wie kann er denn aber (Pharao) tadeln? wer kann denn Gottes Willen widerstehen (== mußte Pharao, nicht verstockt sein)? — Wer bist denn aber,du, daß du Gott Widerrede machen willst? Darf das Gebilde zum Bildner sagen, warum machtest du mich so? Hat nicht der Töpfer Macht über den Thon, kann er nicht aus derselben Masse ein Gefäß zur Zier und ein anderes zur Unzier machen? Wie also, wenn Gott,, um seinen Zorn und seine Macht zu. zeigen, die Werkzeuge des Zornes (Pharao), die (von vornherein) zur Vernichtung bestimmt waren, mit vieler Langmut ertrug, um den Reichtum seiner. Herrlichkeit den zur Herrlichkeit vorherbestimmten Gefäßen des Erbarmens (Israel und seinen Erben, den Christgläubigen) zu offenbaren?, Diese Antwort ist unbefriedigend und sophistisch. Denn es wird zwar'auf Ex 916 verwiesen, aber der eigentliche Grund bleibt doch die grundlose Gnaden- oder Ungnadenwahl Gottes (in der Form sehr ähnlich, wenn auch keineswegs schroff deterministisch gemeint, Muhameds: Allah leitet recht, wen er will und führt irre, wen er will), in Ex 3319 wird unvermerkt untergeschoben: ״und verhärtet, wen er will“, und die Frage 27 ezc fiificpevax wird überhaupt nicht beantwortet, es sei denn mit einem heftigen Anfahren über die Anmaßung, eine solche Frage überhaupt zu stellen1. Auch 1 Allerdings finden wir dieselbe Auffassung von Ex 33lg nicht lange darnach auch auf jüdischer Seite*, nämlich bei R. Meir Ber 7a. Mose habe mit seiner Bitte תודיעני נא את דרכך Gott nach der Lösung des Rätsels gefragt, warum es dem Guten bisweilen schlecht und dem Schlechten gut gehe. Die Antwort besage: weil ich so will, ן חנותי את אשר אחון אע״ם שאינו הגון ורחמוד את אשר ארחם אע״ם שאינו הגון. Denselben Verzicht, aber in einer anderen