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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 2 · p. Seite 108

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Synagogale Poesie
Date
1924-01-01
Page
Seite 108 (sequence 2)
Language
German
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108 Als es 1855 an die Öffentlichkeit kam, hatte man zehn Jahre lang von dem Meister nichts gehört, aber es war bekannt, daß er an einem umfassenden Werke arbeitete, das er selber als seine Lebensauf gäbe betrachtete. ״Die synagogale Poesie darf man die Begleiterin der Geschichte des Judentums׳' nennen, diese Ueberzeugung1 hatte den Altertumsforscher Zunz. vom Beginn seiner Studien an zu Untersuchungen der Gebete und der sich um sie rankenden Poesie geführt. In den ״Gottesdienstlichen Vorträgen״ war der Zusammenhang zwischen der Hagada und der religiösen Poesie deutlich erkannt. ״Die schlichte Hagada war einst aus der öffentlichen Gottesverehrung hervorgegangen, die poetische kehrte jetzt dahin zurück2/* Die Kenntnisse über Umfang, Inhalt und Bedeutung der gottesdienstlichen Poesie der Juden waren damals, 1832, noch außerordentlich gering, und an eine ״Geschichtsschreibung, die in dem Individuum das Allgemeine, in der historischen Reihenfolge den Organismus sieht und zeichnet, konnte damals ohne Kenntnis des Materials noch nicht gedacht werden*'3. Die Quellen waren außerordentlich zerstreut, die ergiebigsten schienen völlig verschollen, erst nach der Wiederentdeckung der hebräischen Poesie, nach den informierenden Untersuchungen und Funden der Luzzatto, Dukes, Sachs u. a. hat Zunz mit entsagender Geduld, in unablässiger Aufmerksamkeit unter Organisierung eines umfassenden Hilfsdienstes ein umfangreiches, wertvolles Material zusammengebracht. Die synagogale Hymnologie erstreckte sich über einen Zeitraum von fast 2600 Jahren und war über alle Länder der Kulturwelt ausgebreitet sowie in zahllose Einzelformen, die Riten, gespalten, es war kein kleines Stück Arbeit, eine- Uebersicht über sie zu gewinnen, das Material wuchs dem Forscher unter der Hand4. Je mehr es zunahm, desto klarer ergab sich, ״daß die Aufgabe nicht mehr in einem Werke gelöst, das Ziel nicht in einem Anlauf erreicht werden konnte. Es schien nicht genug, den geschichtlichen Hintergrund, den dichterischen Gehalt, die gottesdienstliche Gestaltung dem Leser klar zu machen, auch Heimat und Schicksale jener Poesien, ihre Form und Ver- Wendung mußten, wenigstens in Umrissen, als Entwicklung der Ritus gezeichnet sein5**. Die Verteilung des Stoffes mag Zunz selbst zunächst nicht klar vor Augen gestanden haben, die ״Synagogale Poesie** erschien 1855 ohne Vorwort und ohne Hinweis darauf, daß zu ihr noch ein zweiter Teil gehörte, der dann 1859 unter dem Titel ״die Ritus des synagogälen Gottesdienstes, geschichtlich entwickelt** folgte. In die Zwischenzeit fällt eine Forschungsreise nach den Bibi iotheken von Paris, London, Oxford6, und Hamburg7, die dem Gelehrten den Einblick in Hunderte von Handschriften und seltenen Drucken ermöglichte; einige Jahre später(!863) war es ihm auch gegönnt, diehand- 1 Literaturgeschichte der synagogalen Poesie (= Litg.), Vorrede,;S. .IIL PT 2 Die gottesdienstlichen Vorträge der Juden, «S. 379 (I. Aull. S. 392). 8 Litg. S. IV. * Vgl. das. S. IV, V. ’ 5 Das. 6 '25. April bis 4. Juli 1855. Vgl. Das Buch Zunz, künftigen ehrlichen Leuten gewidmet (im Archiv der Zunz-Stiftung, vgl. darüber 8. Maybaum, Aus dem Lehen von Leopold Zunz, Bericht der Lehranst. f. d« Wiss. d• Judentums, 1894) und D. Kaufmann, Ges. Schriften I 347. 7 18. Juni bis 27. Juli 1856, vgl. das.

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