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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1924-01-01 · Heft 2 · p. Seite 107

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
68 (1924)
Issue
Heft 2
Article
Kants Bedeutung für das Judentum
Date
1924-01-01
Page
Seite 107 (sequence 11)
Language
German
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107׳ Ratio des Menschen. Das tiefste Rätsel aber ist der Mensch, sind die in ihm hervorbrechenden Kräfte des Erkennens, des Liebens, des Schaffens. Ebenbild* Gottes nennt das Judentum dieses tiefste der Rätsel und liebt den Menschen als den der Zukunft des׳ göttlichen Reiches entgegen Schreitenden״ Es ist das bedeutsamste Zeichen für die Macht der Kantischen Leistung, daß auch ein jedes Hinaus gehen über die Kantischen Gedankengänge in Logik, Ethik, Aesthetik, Religionsphilosophie sich mit Kant auseinanderzusetzen und zu rechtfertigen hat. Kant hat den Kosmos der Kultur in die Eigenart der wissenschaftlichen, sittlichen, künstlerischen, religiösen Kultur entfaltet und den Grund seiner Objektivität zu erhellen gesucht. Hierbei traten die schöpferischen Kräfte des Menschen in den Blickpunkt des Geistes, Die Philosophie der Gegenwart sieht ihr zentrales Problem in der Erkenntnis der schöpferischen Kräfte der Wirklichkeit, von der der Mensch ein Teil ist1. Dann aber vermag die Gegenwart dem Naturalismus und der Negation der menschlichen Kultur nur zu entgehen, wenn die Natur nicht Wille zur Macht, sondern vom Willen Gotte s durchdrungen ist. Wenn Kant von der sittliehen Bestimmung des Menschen den Weg zu Gott nahm, so wird die Gegenwart der sittlichen Bestimmung des Menschen nur dann treu bleiben, wenn Gott als Lebensgrund der Welt von neuem erfaßt wird. So weist uns Kant mahnend’auf den ewigen Sinn des Judentums hin. __ Synagogale Poesie. Ein Literaturbericht von I. E1 b 0 g e n in Berlin. ״Synagogale Poesie“ ist ein Wort Zunz’scher Prägung, das sich in seiner Bedeutung mit dem hebräischen P i u t deckt, Wie die Bezeichnung, haben wir dem Meister auch die Erforschung zu danken; in Zunz\Lebens werk steht sie an zentraler Stelle, er hat das Wertvollste für ihre Erschließung geleistet. Es verdient innigste Bewunderung, mit welcher Emsigkeit hier ein Mann ein ungeheuer weites Gebiet urbar gemacht und durchgearbeitet, das Einzelne und das Ganze mit unübertrefflicher Sicherheit ergründet hat. Das grundlegende Werk, das diesem Gegenstand gewidmet ist, hat nicht immer die rechte Würdigung erfahren. Das kürzliche Erscheinen einer neuen Auflage2 biete den Anlaß, ausführlich über die Bedeutung des Buches zu sprechen. ■ ׳ 1 Vgl. Lewkowitz:;Religiöse Denker der Gegenwart. Philo-Verlag. Berlin 1923. 5 Di e synagogale Poesie des Mittelalters von Dr. Zunz. Zweite, nach dem Handexemplar des Verfassers berichtigte und durch Quellennachweise und Register vermehrte Auflage, im Aufträge der Zunz-Stiftung herausgegeben von Prof. Dr. A. Freimann. Frankfurt am Main, J. Kauffmann, 1920. VIII u. 584 SS. 8°.

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