Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 68 (1924)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Kants Bedeutung für das Judentum
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 97 (sequence 1)
- Language
- German
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Kants Bedeutung für das Judentum. Von Albert Lewkowitz in Breslau. Der 200j ährige Geburtstag ImmanuelKants hat zum erstenmal seit dem furchtbaren Zusammenbruch der modernen Kultur im Weltkriege Vertreter der meisten Kulturnationen auf deutschem Boden zu gemeinsamer Feier vereint. Wir wollen hierin nicht nur eine flüchtige Regung konventioneller Höflichkeit, sondern das Erwachen des Empfindens menschheitlicher Zusammengehörigkeit erblicken. Dann aber bedeutet die Feier Kants das Bewußtsein von der menschheitlichen Bedeutung des Kantischen Lebenswerks. Weil das Werk Kants in solche Tiefen des Menschheitsbewußtseins herabreicht, selbst dem tiefsten Ringen des Menschengeistes um Sinn und Wert des Lebens entstammt, kann keine Gestaltung der Lebensanschauung, am wenigsten eine religiöse Lebensanschauung, die das Leben unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit erfaßt, das Werk dieses philosophischen Genius unbeachtet lassen. So erschöpft sich Kants Bedeutung für das Judentum nicht in den persönlichen Beziehungen Kants zu Juden und Judentum. So bedeutungsvoll es ist, daß Kant in Mendelssohn den edlen und eindrucksvollen Vertreter der Philosophie der Aufklärungszeit schätzte, den er persönlich für seine Philosophie zu gewinnen suchte; daß die Korrespondenz mit Marcus Herz die wichtigste Quelle für die Erkenntnis der philosophischen Entwicklung Kants in dem dem Erscheinen der ,,Kritik der reinen Vernunft5‘vorangehenden Jahrzehnt seines Lebens ist; daß Marcus Herz und Lazarus Bendavid die ersten Vorlesungen über Kantische Philosophie hielten, Salomon ben Maimon der erste Fortbildner des Kantischen Systems war; so wichtig es ist, daß die Männer, die auf die Emanzipation der Juden politischen Einfluß hatten, Kantianer waren und der Eintritt der Juden in die deutsche Kultur sie dem Kantischen Gedankenkreis zuführte; so bedauerlich es ist, daß Kant in seinem ungünstigen Urteil über das Judentum, das er nicht für eine Religion, sondern für eine Gemeinschaft unter rein äußerlichen, politisch-statutarischen Satzungen hielt, sich nur von der Außenseite und nicht vom Wesen des Judentums bestimmt zeigt; —alle diese Beziehungen sind nur von historischem Wert. Zum Wesen des Judentums aber, als der uns innerlich bestimmenden Religion, hat die Kantische Philosophie eine zentrale Monatsschrift, 68. Jahrgang. ל