Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 288 (sequence 2)
- Language
- German
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288 pflege“ (S. 49—100'■־)■vertreten. Sie behandelt die Mischnah ICeth X4, ,,eine der schwierigsten» wenn nicht die schwierigste der ganzen Mischnah- Sammlung“. Hier wird der Fall gesetzt, daß jemand unter Hinterlassung von drei Frauen verstirbt, die auf Grund ihrer Kethuba Ansprüche von verschiedener Hohe haben, zu deren voller Befriedigung der Nachlaß nicht ausreicht. Baneth gibt einen sehr klaren von zahlreichen Zahlenbeispielen unterstützten kritischen Ueberblick über die Behandlung, die das Problem in den beiden Talmuden, bei den Gaonen, den Rischonim und den Neueren gefunden hat. Im Wesentlichen schließt er sich der Erklärung des Gaon Sadia an. ״Das Leitmotiv bildet die gerechte Verteilung eines unzureichenden Nachlaßbestandes auf die einzelnen Forderungen nach ihrem Verhältnis zu einander, doch findet auch das soziale Motiv noch Raum im Rahmen des Gesetzes, die Fürsorge für den Schwächeren, soweit die Billigkeit es gestattet“. Weit über ihr eigentliches Thema hinaus ist diese Arbeit reich an aufklärenden und wichtigen Beobachtungen über den Talmud, wie über .Geist und Methode seiner Schöpfer und Erklärer. So nennt Baneth die Behauptung, die Ämoräer1 hätten hie und da die Mischnah nicht verstanden, lächerlich. ,,Sie haben sie stets verstanden, aber sie waren nicht immer mit ihr einverstanden. Das drückten sie in ihrer Bescheidenheit so aus, daß sie erklärten, die Meinung des verehrten Lehrers könne nur unter diesen oder jenen Umständen auf Geltung Anspruch machen“ (S. 67). Ebenso zeigt er, wie frühe schon die klassischen Kommentatoren eine selbständige, von der talmudischen abweichende Erklärung der Mischnah gestatteten. Er macht allerdings dabei die Einschränkung: gerade bei den berufensten Exegeten seien solche selbständigen Regungen sehr selten. ״Sie betrachteten es vielmehr als ihre Aufgabe, den Leser mit der Halachah vertraut zu machen und reflektierten daher den Inhalt der Halachah in der Regel so, wie er sich dem Auge darbietet, nachdem er durch das Medium des Talmud gegangen“ (B. 69). Der allgemeinen Religionswissenschaft gehört.die glänzende Abhandlung von Leo Bäck ״R omantische Religion“ an. ״Der romantischen Religion geben die gespannten Gefühle den Inhalt, und ihre Ziele sucht sie in den bald mythischen, bald mystischen Gesichten der Einbildungskraft; ihre Welt ist das Regellose, das Außergewöhnliche und Wunderbare, das über alle Wirklichkeit Hinausliegende, das ferne Jenseits der Dinge.“ Als Typhus einer solchen Religion aber gilt ihm das Christentum. Es erscheint hier als ״der Träger des Erbes der alten Romantik, der griechischen und der orientalischen“. Was der Sieg des Christentums genannt werde, sei in Wirklichkeit der Sieg der Romantik gewesen. Unter diesem Gesichtspunkt wird Paulus betrachtet, seine Persönlichkeit und sein Werk, vor allem die starke Betonung des Glaubenserlebnisses, und wird die Stellung des Christentums in seinen wichtigsten Erscheinungsformen, des Katholizismus, ,des Luthertums wie des Calvinismns, zu Kultur und Geschichte beleuchtet. Als Aeußerungen romantischer Religion werden Sakramente, Kirche und Dogma charakterisiert, und die Rolle von Gesetz und Tat, besonders aber die Stellung der Ethik im System des Christentums, aufgefaßt. ״Die Ethik ist in der Kirche im Gründe auch immer ein Gegenstand der Verlegenheit gewesen.“ In diesem Zusammenhang verweist Bäck auf ״die dem Evangelium eigene sentimentale Stimmung“ und auf die Kasuistik, die enge mit der Schwärmerei Zusammenhänge. Freilich ״geschichtliche wie menschliche Typen kommen nie rein vor, in jeder Religion gibt es gewisse romantische Elemente, wie sie sich in jedem Gemüt regen“. Nur, mit einer gewissen Einschränkung, nicht aber in voller Schärfe, wird deshalb das Urteil gelten dürfen: ,*Das Judentum ist die klassische Religion, und das Christentum ihm gegenüber die romantische“. Ungewöhnlich anregend sind die Untersuchungen von Julius G u 11mann über ״ Religion und Wissenschaftim mitt e 1 alterl i e h e n und modernen Denken“. Guttmann behandelt hier das originale, ^־dem Altertum noch unbekannte Problem der mittelalterlichen Philosophie und Theologie. Religion und Philosophie haben einen großen Teil ihrer Erkenntnis gemeinsam, aber sie schöpfen sie aus verschiedenen Quellen, hier aus der Offenbarung, dort aus der autonomen Erkenntnis. Diese Nachbarschaft, Berührung und innige Durchdringung hat zu großen geistigen Auseinandersetzungen, zu unaufhörlichen mächtigen Kämpfen, Friedens- Schlüssen und neuen Kämpfen geführt. Das gewaltige Thema taucht in «:der