Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 262

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen
Date
1923-01-01
Page
Seite 262 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829915-2829920-2831973--45477-2832037
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

202 ‘ Die Genuß-Symbolik in den rituellen Bräuchen. Von Dr. V. Kur rein, Karlsruhe (Bajieri). (Schluß) An Pessach tritt die Mazzo an Stelle des Brotes, die ja nach Ex 12a0 eine symbolische Bedeutung hat. Die Mazzos werden rund gemacht als Zeichen der Trauer um Abraham, der an Pessach gestorben ist1 2 3. Die 3 Mazzos am Sederabend heißen Kohen, Levi und Israel. Die 3 Mazzos sind זכר ללחמי תרדה und ferner, weil der Arme ein Zehntel Epha brachte (M’hril) Chok Jakob S. 116, Anm. 25. Man nimmt sie beim Segen zusammen in die Hand, während man bei Mozi je ein Stück von der ganzen und ein Stück von der halben Mazzo nimmt, weil man לחם משנה haben müßte, aber an Pessach das Brot ein Symbol für לחם ע1ני ist und ein Armer nur Stücke Brot hat*. Der Afikomon wird in ein Tuch eingeschlagen in Erinnerung an Ex 1234, weil unsere Väter in Aegypten ihre Teige in Tücher eingeschlagen hatten. Kizzur sch’lo S. 81b verzeichnet den Brauch, in ein Stück Afikomon ein Loch zu machen und dasselbe das Jahr über an der Wand aufzuhängen, hat aber diesen Brauch nirgends verzeichnet gefunden, tadelt ihn wegen אוכלין fPD (Or. ch. 171) und bezieht sich auf Ber. 24a התולה פתו יתרה פרנסתו. Ghok Jakob S. 118, Anm. 3 verzeichnet ebenfalls den Brauch. Man ißt bekanntlich zwei Stücke vom Afikomon, das eine וכד לפסח in Erinnerung an das Pessachopfer, das andere in Erinnerung an das ungesäuerte Brot, mit dem es gegessen wurde. Maharschal Resp. 86 schreibt von dem Brauch, den Afikomon eingebunden über die Schulter zu hängen und so im Hause etwa 4 Ellen zu gehen, wobei man spricht: ,,So zogen unsere Väter, ihre Teige eingeschlagen in ihre Tücher (Ex 1234)“. Pri megodim § 316 nennt als .Brauch, mit Stock in der Hand, Schuhen an den Füßen den Vers Ex 12n zu sprechen. Ersterer wie letzterer Brauch stellt die Symbolik des Auszuges dar. Der Verfasser hatte darum in der Pessachnacht seinen Gürtel nicht vor dem Essen des Afikomon abgelegt, um auch dem מחניכם חגורים entsprechen zu können. Man soll ein Stück vom Afikomon in der Tasche bei sich tragen?, es wird vor Räubern schützen, denn מר^בה מצה, wie der Targum Massa und Meriba mit מצותא wiedergibt; oder man soll es an einem verborgenen Orte im Hause auf heben, — Von dem Brauche, W e i z e n vor Bräutigam und Braut zu streuen, berichtet noch Abudr. S. 198 und bezieht ihn auf die Stelle השם גמלך שלום חלב חטים ישביעך Ps 14714 und ist ein Vorzeichen für ״Frieden in der Ehe“ 4. Am Sabbat Schiro streut man den Vögeln Weizen, weil sie am Schilfmeere mitgesungen haben. Toldoth Esther hält die Sitte nur für eine Art Vogelschutz, da es am Schabbos schiro stets große Kälte gibt. Andere verwerfen den Brauch, da man am. Sabbat Tiere, deren Erhaltung uns nicht obliegt, nicht füttern soll. 1 Roschhasch. 10b, B. b. 16b, Ber. r. c. 63, Tanch. 5, 25, 17,' Pesikta r, c. 12'(Sächor). 2 Kolbo, Minhagim-Buch ed. Offenbacli. 3 Daher das Stückchen Brot ״wie Schiffszwieback", das Hirsch Hyazinth in Heines ״Bädern von Luccacc bei sich führt. 4 Vgl. Berächoth 50b.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.