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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 6 · p. Seite 245

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 6
Article
Sind die Falaschas Juden?
Date
1923-01-01
Page
Seite 245 (sequence 2)
Language
German
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Ä4ß arabischer Sprache verständigten. Es stellte sich heraus, daß der Neger-Student tatsächlich einer israelitischen Negerfamilie in Abessinien entstammt. Soweit der Zeitungsbericht. Erörtern wir hier die Frage, ob es in Abessinien jüdische Neger gibt. Carl Rathjens tritt neuerdings in seinem sehr lesenswerten Buche: ״Die Juden in Abessinien“, Hamburg 1921, mit einer Entschiedenheit für die Auffassung des bekannten Falascha-Forschers Faitlovitch ein, daß die Falaschas in Abessinien ein Mischvolk von ortseingesessenen Agau-Negern und eingewanderten Stammesjuden und Bekenner der jüdischen Religion seien. Allein bei genauer Durchprüfung des gesamten Materials bin ich zu dem Ergebnis gelangt, daß sie weder Abkömmlinge von Juden noch ׳ der jüdischen Religion zuzurechnen seien. Die frühesten historischen Nachrichten über die Falaschas, die die hamitischen Sprachen sprechen, stammen aus der Mitte des 10. Jhdts. In jener Zeit bildeten sie noch ein eigenes Reich, an dessen Spitze ein König stand. Von den christlichen Abessiniern werden sie als Juden bezeichnet, sie selbst aber nennen sich teils Falaschas, teils Beta-Israel. Weil sie sich den christlichen abessinischen Herrschern nicht unterwerfen wollten, wurden sie im 15., 16. und im Anfang des 17. Jhdts. blutig verfolgt. Viele Falaschas gingen in diesen Zeiten der blutigen Verfolgung, um sich der gewaltsamen Bekehrung zum Christentum zu entziehen, freiwillig in den Tod. Da manche religiöse Bräuche in der abessinischen Kirche mit denen der Falaschas übereinstimmen und auch bei den Abessiniern der Sabbat neben dem Sonntag als heilig gilt, nimmt Rathjens mit Recht an, daß die Mehrheit der Abessinier vor ihrer Bekehrung zum Christentum, die im 4. Jhdt. stattgefunden hatte, derselben Religion angehörte, wie die Falaschas, was übrigens auch eine alte äthiopische Handschrift im Cod. Aeth. XXVI der Bödlian Library bestätigt. Sie berichtet, daß vor der Einführung des Christentums ״vom Volke Aethiopjens einige die Schlange als Gottheit verehrten, andere aber unter dem mosaischen Gesetze standen“. Die meisten Falaschas unterscheiden sich äußerlich nicht von den ortsangesessenen Negern und haben auch das Gebahren von Negern, was mir eine, viele Jahre in Abessinien ansässige jüdische Familie deutscher Herkunft betonte. F. Rosen, der bei den Falaschas weilte, ist der Ansicht, daß sie keine Semiten, sondern zu den Agau-Negern zu rechnen seien. Sie sind zwar Monotheisten, halten streng den Sabbat entsprechend den biblischen Gesetzen, feiern sieben Tage das Pesach-Fest und erwarten , wie die Juden den Messias. Außerdem üben sie noch manche Gesetze des Pentateuch aus, wie das Opfer des Passah-Lammes und die Reinigung durch die Asche der roten Kuh. Die von ihnen gehaltenen Speisegesetze ähneln indessen mehr denen der Mohammedaner, und ihre Reinheitsgesetze stimmen eher mit denen der Primitiven als mit denen der Juden überein. Diese Neger sind wahrscheinlich in den ersten Jahrhunderten n. Chr., in denen ja die Juden einen großen Bekehrungseifer entfalteten, von jüdischen Missionaren, die in Abessinien eine an den Pentateuch sich anlehnende neue Religion schufen, zum Monotheismus bekehrt worden. Folgende religiöse Bestimmungen der Falaschas stehen in unvereinbarem Gegensätze zu den jüdischen Religionsgesetzen und decken sich mit primitiven Negerbräuchen.

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