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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 222

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1923-01-01
Page
Seite 222 (sequence 3)
Language
German
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sich in das nicht immer leicht lesbare Buch zu verti efeti und dem ideengang des seine eigenen Wege gehenden gelehrten Verfassers in seiner geistvollen Abhandlung zu folgen. 3. Was der Verfasser in den beiden obigen Schriften nur zaghaft andeutet, daß es ihm bei seinen Studien über die Kultusreformatiohen Josias und Esras vor allem auf die Bekämpfung Wellhausens und seiner Schule ankommt, unternimmt er in dieser Schrift mit offenem Visier und geht forsch und scharf auf sein eigentliches Ziel los, das, wie der Titel besagt, lautet: Los von Weilhausen! Aeußere Veranlassung zu dieser Schrift bietet ihm ״die große Täuschung“ von Delitzsch, die er mit einem gewissen Rechte als die letzte Konsequenz des Wellhausenschen Standpunktes bezeichnet, und von der er hofft, daß sie endlich zur Selbstbesinnung der atl. Wissenschaft beitragen und dazu verhelfen werde, uns von dem Banne frei zu machen, der seit W. auf der atl. Forschung ruhe. Man merkt es den überaus klär und fesselnd geschriebenen Ausführungen des Verfassers an, daß die Behandlung seines Themas ihm zur Herzenssache geworden ist, und daß er mit Inbrunst sich besonders in die ״Prolegomena“ vertieft hat — um sie zu widerlegen. Hierbei bestreitet er durchaus nicht die Verdienste von W., die für alle Zeiten in die Annalen der biblischen Wissenschaft eingetragen seien. Sein Verdienst bleibe es, eine Fülle von Schwierigkeiten, die bei der wissenschaftlichen Betrachtung der Bibel sich ergeben und die auch durch die neuesten Forschungen von Klostermann, Möller, Dahse u. a. noch nicht völlig beseitigt seien, erkannt und zur Diskussion gestellt zu haben. Sein Verdienst bleibe es ferner, eine neue Gesamtanschauung vom Verlaufe der isr. Geschichte und besonders vom Verlaufe der isr. Religionsgeschichte ge- Wonnen zu haben, die —wenn auch mit untauglichen Mitteln — alle von ihm erkannten Schwierigkeiten aus dem Wege geräumt habe. W. bleibe also ein großer Säemann, der manchen Samen in den Acker der Zeit geworfen habe: aber man dürfe nicht, wie das noch heute von so vielen Kritikern geschieht, ihm kritiklos folgen, sondern müsse vor allem die Grundlage, auf der W. seine Konstruktion der Geschichte Israels anfgebaut hat, einer gründlichen Nach- Prüfung unterziehen. Dies tut Kegel, indem er nachweist, daß W. und sein großer Vorgänger Vatke in der historischen Gesamtbetrachtung der Geschichte Israels sich von Hegels aprioristischen Theorien haben leiten lassen, und daß WV berauscht vom Entwicklungsgedanken, fälschlich glaubte, in der isr. Geschichte ein Schulbeispiel für die Richtigkeit dieser Theorien gefunden zu haben. Diesen seinen philosophischen Prämissen entspreche die Entwicklungsreihe, die W. konstruiert habe, und die von der Nomadenreligion über die der Bauern zur Prophetenreligion führe, um dann schließlich in der Gesetzesreligion zu enden. Kegel zeigt an einer Reihe von Beispielen, zu welchen falschen Konsequenzen diese Betrachtungsweise führen mußte, und wie auch die Methoden, deren sich W. bedient, um die Quellen mit seinen philosophischen Grundanschauungen in Einklang zu bringen, einer wissenschaftlichen Kritik durchaus nicht standhielten. Weder sei W• ernstlich bemüht, mit Hilfe der vorhandenen alten Uebersetzungen den Originaltext seiner Quellen zu erforschen, noch sei die Vermengung der Textmit der Literarkritik — worauf K. bereits in seinen oben genannten Schriften hinweist —* zu billigen, da sie zu vielen Willkürlichkeiten in der Behandlung des Textes führten. Kegel geht dann ziemlich ausführlich auf die eigentümliche Steilung ein, die der bald unglaublich dumme, bald höchst verschlagene, aber stets hilfsbereite Redaktor bei W. und seiner Schule einnehme, und zeigt weiter, wie ungerecht beispielsweise die Beurteilung des Priesterkodex durch W. sei, da P nach ihm an Raffinement und gleichzeitiger Minderbegabtheit sogar dem Redaktor Konkurrenz mache. Auch gelingt es Kegel nachzuweisen, daß auch der Historiker W. nach den Forschungen der letzten drei Jahrzehnte eine völlig falsche Einstellung zur Geschichte Israels besessen habe. Und nicht mit Unrecht wird endlich getadelt, daß Wr. manchmal in einen Ton verfalle, bei dem man sich nicht wundern könne, daß er später bei Delitzsch zu einem förmlichen Haß gegen das Judentum sich verdichtet hat. Man lese das Einzelne in unserem flott geschriebenen Büchlein nach, und man wird begreifen, daß die ״Los von Wellhausen“־Bewegung in neuester Zeit unter den vorurteilslosen Bibelforschern immer weiter festen Fuß faßt. Berlin. _ ־ Sally Gans.

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