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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 5 · p. Seite 194

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 5
Article
Archäologische Notizen
Date
1923-01-01
Page
Seite 194 (sequence 9)
Language
German
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hinaus, liegt aber jedenfalls in der Wirldichkeit begründet; weil es eben auch so eine Mode gab; Mode, nichts weiter. Die Leute! die sich schwer mit dem Gedanken vertraut machen können, daß die jüdische Frau einmal auch unbedeckten Hauptes ging, sind eben von einem Vorurteil befangen. Auch sie sind in der Gewalt einer Vorstellung, ähnlich der, die die ganze Mode der Kopfbedeckung der Frau hervorgerufen hat; vgl. Lugn, Die mag. Bedeutung der weibl. Kopfbedeckung, Mitt. Anthrop. ■־ Gesellsch. (Wien) 50, 81 ff; Wir haben im Talmud und Midrasch mehrere Sätze1, die mit dankenswerter Genauigkeit den Unterschied zwischen griechischrömischen und jüdischem Leben angeben; z. B, Esau hat Märkte (ירידים), Jakob hat Gassen (שוקים); Sehern bekam den טלית (mit צצית), Japhet das und das; ja in Num. R. 10 gibt es eine ganze Reihe von solchen Dingen (,;alle Taten Israels sind, verschieden von denen der Völker; im Ackerbau" usw.), und ich denke, wenn die Kopf״ Verhüllung wirklich eine Sitte oder Pflicht im Judentum gewesen wäre, so hätte das in dieser Richtung angemerkt werden müssen, denn Griechen und Römer trugen sich bekanntlich ohne Kopf־ bedeckung. Notizen zur Archäologie. Eine Erwiderung auf Prof, Krauss’ ,,Archäologische Notizen". Von V. Aptowitzer in Wien. Ad 1. Die Angabe Prof. Krauss', daß in talmudischer Zeit die Schuster zur Not mit Dorn und Glassplitter die Schuhe zu nähen pflegten, habe ich aus doppeltem Grund als sonderbar bezeichnet. Erstens, weil ich mir den Vorgang selbst nicht vorstellen konnte und auch nicht vorstellen kann. Mit Glassplittern kann man wohl Ohrläppchen stechen und auch andere Haut ritzen und schneiden, nicht aber hartes Sohlenleder bohren. Zweitens, weil Krauss im Namen des Talmuds etwas angibt, was in ihm nicht steht. Für 1 kann nun Krauss nicht einmal auf eine Stelle in Meyers Konversationslexikon verweisen. Zu 2 gibt er ausdrücklich zu, daß seine Angabe im Talmud nicht steht. Also hatte ich recht, seine Angabe als sonderbar zu bezeichnen. Damit ist für mich die Sache erledigt. Alles Uebrige in seiner langen Ausführung: die Genealogie der Nadel, die Talmudstellen, in denen Glas erwähnt wird, die philologischen Exkurse, die Kombinationen und Konstruktionen2 *, die gar nicht zur Sache gehören, gehen mich hier nichts an. Gewiß steht es jedem frei, nach Herzenslust zu vermuten und zu kombinieren, nur muß man seine Einfälle und Vermutungen als solche kenntlich machen, und man darf sie nicht als aus alten Quellen geschöpfte Tatsachen mitteilen. Man sieht hier, wieviel Mühe Krauss aufwenden, wieviele 1 Talm. Arch. Register unter עפף, כדבלתא, פיוולא, טלית, יריד etc. Ich will nach Tunlichkeit abkürzen. 2 In der Frage: ״Was ist Türe und Pfosten anders als alle anderen Hausgerate4‘ handelt es sich um Gegenstände, an die der Sklave gelehn t w i r d. Krauss meint nun, daß dazu auch Dorn und Glassplitter gehören. Also Glassplitter von mindestens einem Meter Höhe!

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