Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die "Reliquien" des Salomo Molcho
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 168 (sequence 2)
- Language
- German
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168 , 7. hier zum ersten Male ein Jude in den erblichen Adel des heiligen römischen Reiches erhoben wurde1 — diese Sonderstellung wird noch dadurch unterstrichen, daß in einer ihrer alten Synagogen Reliquien auf bewahrt werden, die bis heute allerdings wenig beachtet wurden und nur wenigen Mitgliedern, selbst der heimischen Gemeinde, bekannt sind. Es mag darin vielleicht System gelegen haben; die jüdische Auffassung hält sich von jedem Personenkultus fern, wie ja schon Moses1 Grab jedem Kultus entzogen war. Gleichwohl ist der Einfluß des Märtyrertums und der Reliquien für die Erhaltung und Stärkung des Glaubens von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Hat sich doch die Heiligsprechung — um nur eines der zahllosen Beispiele herauszugreifen — des Märtyrers Johann von Nepomuk als glänzendste Waffe der Gegenreformation bewährt. Wenngleich es dem Judentum völlig fernliegt, die hier zu beschreibenden Reliquien etwa der katholischen Auffassung näher zu bringen, so erscheinen sie gleichwohl m. E. interessant genug, um weiteren Kreisen im Bilde vorgeführt zu wrerden als Ergänzung zum Lebensbilde eines Mannes, der zu den interessantesten Typen jener vielen schwärmerischen Juden gehört, die — diesmal in lauterer Absicht — die Messiasidee in ihrem Wirken zu verkörpern bestrebt waren. Die Geschichte des Marannen Salomo Molcho2 braucht hier nicht wiederholt zu werden; sie ist in dieser Zeitschrift im Zusammenhang mit jener seines Lehrers und Freundes David Räubern (5. Jhg., 1856, S. 205 ff.) eingehend behandelt worden. Er war zweifei־ los eine überragende Persönlichkeit und mit ungewöhnlichen Geistesgaben ausgezeichnet, w־as seine Stellung als Kabinettsekretär Johanns III. von Portugal, die er in seinem 20. Lebensj ahr bekleidete, ebenso erklärt als die bedeutende Rolle, die er 10 Jahre später am Hofe Clemens VII. zu spielen berufen war. Ob er diese tatsächlich nur seiner überlieferten Sehergabe verdankt3 oder aber seiner eingebildeten Lebensaufgabe, als die er die Verkündigung des Messias im Jahre 16664 ausgab — er selbst begnügte sich bescheidenerweise mit der Personifikation des ,,Elias“ —soll hier nicht überprüft werden. Immerhin muß rühmend hervorgehoben werden, daß er sein Wirken am päpstlichen Hofe mit vorübergehendem Erfolge in den Dienst seiner portugiesischen Glaubensbrüder stellte und für Aufhebung der Inquisition kämpfte. Sein tragisches Ende — er wurde in Mantua (nach Anderen in Bologna) verbrannt — ist bekannt. Zwei Reliquien dieses Märtyrers, der dazu berufen war, den frommen Karl V mit 1 Jacob B as s e w i, Hofjude Rudolph II. ■und des Mathias, erhält von Ferdinand II. das Prädikat ,,Edler von Treuenberg1622) ״) und stirbt, in Ungnade gefallen, zu Jungbunzlau 1634. 2 Geb. 1501; sein eigentlicher Name ist Diego Pieres; so bezeichnet ihn der portug. Gesandte in Roirij Bras Neto, von dem wir auch erfahren, daß M. vordem ,,Sekretär der Räte im Departement der Suppliken“ gewesen sei (Orig.־Schreiben im Nat.-Archiv Lissabon). 3 M. soll eine verheerende Wasserflut in Rom und ,,Nordland“, ferner das Erdbeben in Lissabon prophezeit haben. Alle drei Ereignisse traten ein; die erstere, die am 0. Oktober 1530 Rom verheerte und vor der er den sich rechtzeitig nach Ostia flüchtenden Papst warnt, soll seine Stellung bei diesem ebenso gefestigt haben, wie das von ihm für 1531 vorhergesagte Eintreffen des Kometen. 4 Um diese Zeit tritt Sabbathei Zewi auf.