Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 67 (1923)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Urkundliche Beiträge zum Reuchlinschen Streit
- Date
- 1923-01-01
- Page
- Seite 111 (sequence 2)
- Language
- German
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111 schließlich den wichtigsten Auftakt zum Auftreten Luthers. Deshalb haben äuch heut noch Geigers Worte1 ihre Berechtigung nicht verloren: ״Jederneue Beitrag . ׳. . . wird höchst willkommen sein, wenn er mit dazu dient, die Ehrenschuld einem Manne abzutragen, den alle Nationen als Erneuerer der Wissenschaft hochhalten, die Zeitgenossen als oculus Germaniae gepriesen haben.“ So mögen denn hier einige urkundliche Beiträge zu dem Reuchlinschen Streit aus dem Kölner Stadtarchiv ihre Stätte finden. Beitrag I entstammt einer Pariser Handschrift (das Kölner Archiv ha.t davon eine Abschrift genommen), die Auszüge aus den theologischen Dekanatsbüchern der Universität Köln von der Hand des Kölner Jesuiten Hermann Crombach (1598—1680) enthält2 und um so wertvoller ist, weil die theologischen Dekanatsbücher selbst verloren gegangen sind. Die Beiträge II—IV rühren aus den ,,Farragines“, der Sammlung der Brüder Gelenius, dem anerkannten und beliebten Hilfsmittel der rheinischen Geschichts- und Altertumsforschung3, und zwar aus dem Handbuch des Universitätspedellen Heinrich de Vorda (um 1500), die weiteren Beiträge entstammen den Ratsprotokollen.und Briefbüchern der Stadt Köln; auch eine Originalurkunde der Universität wird hier veröffentlicht (VII). Diese Beiträge, die bis auf die letzte Notiz (IX) bisher ungedruckt sind4, geben vor allem ein zusammenhängendes Bild von der Stellung der theologischen Fakultät zu diesem Streit. Zu ihrem besseren Verständnis aber wird man gut daran tun, sich die wichtigsten Daten des Streites nach dem Erscheinen des Augenspiegels zu vergegenwärtigen5. 1511 ist der ,,Augenspiegel“ erschienen. 1512, März 22, veröffentlicht Reuchlin in deutscher Sprache: ,,Ain clare verstentnus in tiitsch off doctor Johannsen Reuchlin ratschlag . . . “, Erklärungen, die er im Augen- Spiegel in lateinischer Sprache seinem Gutachten angefügt hatte6. 1512, August 28, antwortet Arnold von Tongern mit den ״Articuli sive propositiones . . “, einem heftigen Angriff auf die Reuchlinsche Schrift7. 1512, Oktober 7, erläßt Kaiser Maximilian ein Mandat an den Erzbischof Philipp von Köln, den Augenspiegel zu arrestieren8. 1513, März, erscheint die Schrift Reuchlins ״Defensio ... . contra calumniatores suos Colonienses“ mit scharfen Ausfällen gegen die Kölner9, 1513, Juni, das kaiserliche Mandat, das beiden Parteien Stillschweigen auferlegt1 °. 1513, Juli 9, fördert ein kaiserliches Mandat die Erzbischöfe von Mainz, Köln und Trier sowie den Ketzermeister auf, die Schrift Reuchlins, wo sie sich fände, wegzunehmen, zu unterdrücken und ihr Feilhalten nirgends zu gestatten11.1513, September 15, zitiert Hochstraten Reuchlin nach Mainz12. 1513, Oktober 12, vertagt 1 Johann Reuchlins Briefwechsel, 1875, S. 4, vgl. Graetz IX, S. 477. 2 Hansen in Wd. ZS. XVII, S. 104. 3 s. Mitt. 9, S. 141 ff., woselbst auch die Literatur aufgeführt ist. ־, 4 Für die Hilfe, die mir bei der Entzifferung des Originals, insbesondere dem fast unleserlichen der ״Farragines“, geworden ist, bin ich Herrn Stadtarchivar Prof. Dr. Keussen zu großem Dank verpflichtet. 5 s. außer Geiger den Conspectus Ghronologicus bei Böcking 111י S. 117 ff. 6 Geiger, S. 264, Böcking II!, S. 122. 7 Geiger, S. 266/67, Böcking II!, S. 123. 8 Böcking״II!, S. 123. 3 ib. S. 124. 10 ib. S. 125. 11 Geiger, S. 281, Böcking II! S. 125. 12 Böcking II!, S. 126.