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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 110

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 110 (sequence 30)
Language
German
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110 ' ' gewiß die Philosophie von der Lehensströmung getragen ist. In der Neuprägung der Grundbeigriffe der Natur, des Lebens, des Geistes, der religiösen Erfahrung vollzieht sich eine Wendung des Lebens vom Berechenbaren zum Schöpferischen, vom Mechanismus zur Freiheit, von der Materie zu Gott. Dürfen wir diese Bewegung in der Sphäre der W i ssensch a f t als höchsten sichtbaren Wellenkämm betrachten, der von mächtigen Strömungen in der Seele der Menschheit getragen ist? Vollzieht sich eine Wandlung in der Seele der Menschheit? Noch regiert der Haß, nicht die Liebe, noch scheinen die Ideale ein Traum der Romantik, und dennoch vereinigen sich Denker aller Völker und aller Konfessionen in einer ungewollten Einheit des Lebensbildes. In einem neuen Lichte erstrahlen Leben, Seele, Freiheit, Gott. Im Ergreifen dieser Wirklichkeiten liegt die Wahrheit des Lebens, seine Erneuerung. Urkundliche Beiträge zum Reuchlinschen Streit. Ein Gedenkblatt zum 30. Juni 1922. Von Adolf Kober in Köln. Ein Beitrag zum Reuchlinschen Streit1, anläßlich des vierhundertjährigen Todestages dieses seine Zeit überragenden Mannes, bedarf in dieser Zeitschrift keine Begründung. Ist auch der Kampf um die jüdische Literatur in den Jahren 1509—4521 über die Köpfe der Juden hinweg geführt worden 2, mit Reuchlins Auftreten fiel der erste matte Lichtstrahl in das mittelalterliche Dunkel, in dem die deutsche Judenheit schmachtete. Denn er war der erste, der es in Deutschland auszusprechen wagte, ״die Juden seien Glieder und Mitbürger des deutschen Reiches“ 3, ja noch mehr, ״die Juden sind unsere Nebenmenschen, wir müssen sie lieben“4. An dem Prozeß aber, in den Reuchlin durch sein Eintreten für die jüdische Literatur verwickelt wurde, haben die Gelehrten Europas durch Wort und Schrift Anteil genommen, von ihm hat die'Welt gesprochen. Für die Universität Köln bedeutet er einen Wendepunkt; er versetzte dem Ansehen der Kölner Hochschule den ersten schweren Stoß 5; er bildete 1 Die Literatur ist bei Gustav Wolf, Quellenkunde der deutschen Reformationsgeschichte 1(1915) S. 314/16 verzeichnet. Hier sind vor allem benutzt E. B ö c k i n g, Ulrichi Hutteni Equitis Operum Supplementum I— II Leipzig 1864, 1869 (cit. Böc king); Ludwig G e i g e r, Johann Reuchlin. Sein Leben ׳und seine Werke. Leipzig 1871 (cit. Geiger); Gr aetz, Geschichte der Juden, IX, 4. Aufl., S. 63 ff., Note 2, S. 477 ff. (cit. Gr aetz)!; Hansen, Der Malleus maleficarum, seine Druckausgaben und die gefälschte Kölner Approbation v. J. 1487, Westdeutsche Zeitschrift für, Geschichte und Kunst, Jahrg. XVII (1898), S. 119—168 {cit. Hansen in Wd. ZS.); H. K e u s s e n, Regesten u. Auszüge zur Geschichte der Universität Köln 1388—1559, Mitteilungen a. d. Stadtarchiv v. Köln, Heft 36/37 (XV. Bd.), S; I—X, 1—546־(cit. Mitt. H...); H. Keussen, Die Matrikel der Universität Köln 1389—1559, I (1892), II (1919), Publ. d. Gesellsch. f. Rhein. Geschichtsk. VIII (cit. K e u s s e n, Matrikel). 2 In den gleichzeitigen jüdischen Quellen ist von dem Streit nicht die Rede, s. Geiger, S, 253. 3 ibid. S. 233, vgl. S. 253. 4 ib. S. 164. $ A. Wrede, Geschichte der alten Kölner Universität, 1921, S. 41. j?■׳

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