Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1923-01-01 · Heft 4 · p. Seite 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
67 (1923)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1923-01-01
Page
Seite 82 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829915-2829918-2831731--45233-2831771
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

"י 82 als Grundlage wie der naturwissenschaftlichen sc auch der psycho- Io gischen‘■Erkenntnis des Zusammenhanges des geistigen Geschehens fest. Wie die Biologie die teleologische Struktur der Organismem auf mechanische Ursachen zurückführt, oder zurückzuführen bestrebt ist, so ist . der Zusammenhang der seelischen Phänomene kausal zu begreifen. Demzufolge ist ein Begriff der Seele abzulehnen, der die •Seele als eine selbständige Substanz von ihren Phänomenen unterscheidet. Vielmehr ist die Seele nichts anderes als der kausale Z11 s a m m e n h a n g der. psychischen Phänomene in den relativen Einheiten des Individuums, des Volkes, der Menschheit.. Mit der substanzialen Seele entfällt auch der wissenschaftliche Wert aller der Begriffe, in denen die Vulgärpsychologie die Klassen der psychischen Phänomene unter einen gemeinsamen Namen faßte,, sind also Verstand, Gefühl, Gedächtnis, Phantasie, Wille nicht selbständige seelische Kräfte oder Vermögen der Seele, sondern nur Aügemeinbegriffe für bestimmte psychische Vorgänge, die in ihren kausalen Zusammenhängen zu erforschen sind. Es entsteht die Aufgabe, diese kausalen Zusammenhänge zu erkennen. Wie die körperlichen Vorgänge in der modernen Physik dadurch zur Erkenntnis gelangen, daß die komplexen Geschehnisse aus den Zusammenhängen der Elemente, der Atome erklärt werden, dringt die erklärende Psychologie von den höheren Gebilden zu ihren Eiementen vor, um aus deren Zusammenhängen die ersteren zu erklären.. Solche psychische E lernen t e sind die einfachen Empf i n - düngen einerseits, die einfachen Gefühle andrerseits. Durch Verschmelzung der Empfindungen entstehen die Vorstellungen*, wie in der Klangvorstellung noch die einfachen Tonempfindungen als׳ ihre Elemente wahrgenommen werden können.: Die Vorstellungen wiederum sind gleichfalls nicht beharrende psychische Gebilde* sondern in ständiger Veränderung ihrer gegenseitigen Assimilation, und Assoziation begriffen. Die assoziativen Verbindungen der Vor- Stellungen,: welche passive Bewußtseinserlebnisse sind, werden zur Grundlage der aktiven Verbindungen, der Apperceptionen, söwohl der künstlerischen Synthese der Vorstellungen zur Einheit der Phantasievorstellung wie der wissenschaftlichen Synthese zur Einheit des Begriffs. Durch Verschmelzung der einfachen Gefühle entstehen die zusammengesetzten Gefühle, wie das eine Klangvorstellung begleitende Gefühl sich auf den die Tonempfindüngen begleitenden einfachen Gefühlen aufbaut. Die zusammengesetzten Gefühle steigern sich zu. Affekten, die Affekte führen zu triebhaften Ausdrucksbewegungen, beim Konflikt‘mehrerer Motive erhebt sich die Triebhandlung zur Willkürhandlung, uni bei deutlichem Bewußtsein des Kampfes der Motive zur Wahlhandlung, zu werden. So steigert der kausale Zusammenhang der Elemente selbst durch Verschmelzung der psychischen Gebilde den Inhalt des Bewußtseins von den Empfindungen zu Vorstellungen, zu Allgemein- Vorstellungen, zu Begriffen und von einfachen Gefühlen zu Affekten, Trieben, Willenshandlungen. Durch die Verschmelzung der Eiemente entstehen also psychische Gebilde, die nicht •lediglich die Summe der Teile, sondern Resultanten,unberechenbare , s c h .ö p f e ->•

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.