Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 3)
- Language
- German
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323 gelehrten Verfasser mehr über clen Duktus der Inschriften vernommen; so z. B. von der eigenartigen Beschriftung zu Nr. 247, die mehr ״handschriftlich“ als tektonisch anzusehen ist und mir wiederholt bei alten Grabsteinen auf fiel. Die bei Nr. 522 (S. XXXVI) erwähnte ״Schrift mit Punktverzierung“ kann einem vielleicht durchreisenden ostjüdischen Gesellen zugeschrieben werden1. — Sehr beachtlich ist das Fehlen erhabener Inschriften, die den jüdischen und christlichen Steinen an anderen Orten eine ungleich monumentalere Wirkung sichern, als die in Eisenstadt vertieft benutzten2. Wenn die ausgezeichnete Abhandlung W.s dazu anregen wird, in dieser Weise auch andere alte Friedhöfe zu erforschen, so bedeutet die Veröffentlichung eine für die jüdische Kunstforschung hochbedeutsame Tat. Man kann den weiteren Arbeiten des Verfassers mit großem Interesse entgegensehen. Breslau. Prof. Dr. ing. Grotte. Erich Seeberg‘, Zur Frage der Mystik. Ein theol. Vortrag. Deichert, Lpzg. 1921. S. gibt eine knappe, aber durch die beigefügten aufhellenden Zitate und entscheidenden Quellenbelege sehr lehrreiche Uebersicht über einzelne Erscheinungen der Mystik des 17. Jahrhunderts, um durch deren Analyse zur Lösung der Frage nach dem Wesen der Mystik beizutragen. Im historischen Teil fesselt besonders, was über die ״emblematisclie Mystik“ gesagt wird, welche von einem symbolisch aufgefaßten Gegenstand ausgehend nicht eigentlich ein in der Seele eingesenktes Erlebnis spiegelt, sondern die an jenes Symbol sich rankenden Gedanken und Empfindungen weiterspinnt, von der seelischen Wirklichkeit loslöst und gleichsam verselbständigt. Sehr gut wird diese mystische Spekulation in den Zusammenhang mit gewissen Dichtungsarten gerückt, treffend auch darauf aufmerksam gemacht, wie gerade in diesem Kreise das ״Erleben“ in traditionelle Stilfiguren und Formen eingespannt ist, wie insbesondere der Einfluß des Hohenliedes inhaltlich wie formell gewisse Mystiker führt. Von hier aus, von den Beziehungen zwischen unechter Mystik und dem poetischen Geist, wo S. auf den Expressionismus hin weist, hätte es vielleicht nahe gelegen, auch auf echte mystische Motive nichtreligiöser Färbung in moderner Dichtung einzugehen. Der Verfasser richtet dieses Problem auf breiterer Grundlage auf, indem er die Frage diskutiert, wie weit überhaupt der mystische Urtrieb im Menschen, das Streben, über die Zwiespältigkeit des seelischen Seins zur Einheit vorzudringen, vor allem religiösen Denken und Fühlen wirksam sei. Im Verfolg dieses Themas wird das Verhältnis zwischen Mystik und Sexualität berührt. Stettin. Max Wiener. Biic he rschau und Zeitschrift e״n schau mußten aus technischen Gründen zurückgestellt werden. 1 Siehe Grotte: Synagogentypen usw., Berlin 1915. 2 Vgl. Grotte: Biedermeier-Grabmäler der Ostmark und ihre Beschriftung, Berlin 1916; ebenso: Grotte: Evangelische Friedhöfe in Lissa; Denkmalspflege 1922, Nr. 11.