Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 320

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 320 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829909-2829914-2831612--45101-2831705
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

320 Die Grab Schriften des altert Judeniriedhofes in Eisensladt, bearbeitet von Dr. Bernhard Waclistein. Mit einer Studie: Die Entwicklung1 des jüdischen Grabsteines und die Denkmäler des Eisenstädter Friedhofes von Sändor Wolf. Mit 77 Abbildungen. Wien 1922. LXVIII Seiten Einleitung, 414 Seiten deutscher Text, 246 Seiten hebräischer Text. Dem großen Werk über den Wiener Friedhof hat Wachstein in unermüdlicher Schaffenslust jetzt ein gleichwertiges über den Friedhof der Ge' meinde Eisenstadt folgen lassen, die als Stätte jüdischer Gelehrsamkeit und religiösen Lebens altberühmt ist. Sie stand zur Wiener Gemeinde in engster verwandschaftlicher, geistiger und kommerzieller Beziehung, und Wachstein konnte schon bei seinen Wiener Studien einen Teil des Eisenstädter Materials mit verwerten. Das vorliegende Werk ist als erster Band einer Reihe von Eisenstädter Forschungen gedacht, die Sändor Wolf herausgeben und in denen er eine lückenlose kulturgeschichtliche Darstellung einer jüdischen Altgemeinde bieten will. Sändor Wolf selber steuert in diesem ersten Bande eine wertvolle gelehrte Studie über die Geschichte der jüdischen Grabdenkmäler bei, die von der ältesten Zeit an über die römische Epoche ins Mittelalter hineingreift, und bis zum Beginn der Neuzeit reicht. Anschließend behandelt er die Eisenstädter Grabsteine nach ihren verschiedenen Stilperioden, die mit großem Verständnis für die feinen Unterschiede der äußeren Gestaltung künstlerisch gesichtet und gewertet werden. Die Inschriften selber sind von Wachstein• herausgegeben. Die Edition erfolgte nach denselben Grundsätzen, auf denensich das Wiener Werk aufbaut, und weist darum die gleichen glänzenden Vorzüge auf, die ich bei der ausführlichen Besprechung des ersteren in dieser Monatsschrift (Jahrgang 1915 und 1918) iin Einzelnen dargelegt habe. Der deutsche Teil behandelt die Personalien der in den 1181 Nummern verzeichne ten Toten. Den Glanzpunkt dieses Teiles bildet die meisterhafte Darstellung des Lebens, Wirkens und geistigen Schaffens des berühmtesten Eisenstädter Gelehrten, R. Meir b. Isaak; die Studie ist nach Form und Inhalt wieder ein vollendetes Muster Wachsteinscher Kunst. Der hebräische Teil gibt die Texte der Grabinschriften, die in den Anmerkungen nach ihrer Korrektheit, und besonders nach ihrer sprachlichen Seite hin quellenmäßig und kritisch gewürdigt werden. Im Uebrigen sind die Eisenstädter Inschriften meist wohltuend einfach; wo die damals beliebten Sprachkünsteleien auftauchen, lohnen die nicht immer gelösten Schwierigkeiten kaum ernstlicher wissenschaftlicher Vertiefung. Wachstein holt alles heraus, was nur möglich ist, und stellt mit. seiner glänzenden Kombinationsgabe sowohl die sachlichen wie die persönliehen Beziehungen her. Mehrere treffliche Register gestatten eine leichte Benutzung des umfangreichen, geschichtlichen Materials. — Zur Biographie des R. Meir b. Isaak bemerke ich, daß sich Novellen von ihm auch in dem. Werke Minchath Cohen, Fürth 1741 finden. Der S. 83 als sein Schüler genannte Josef Asch ist tatsächlich identisch mit dem späteren Rabbiner von Dessau, der 1746—1755 das Landrabbinat dortselbst bekleidete, seines Amtes aber entsetzt wurde. Sein Sohn Abraham war Rabbi im Lehrhaus des Isaak Gans zu Gelle und Verfasser des Werkes סראה אש, das nach seinem Tode durch, seinen Sohn R. Moses Jakob Asch herausgegeben wurde, Berlin 1803 (bibl. Beschreibung bei Rosenthal-Roest Anhang Nr. 1254); das Buch bringt einige Hinweise auf Familienbeziehungen und enthält auch ein interessantes Pränumerantenverzeichnis. — Die Großeltern des Nr. 363 genannten Juda Oppenheim zum Krachbein finden sich bei Horovitz, Inschriften Nr. 1283 und 1833. —

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.