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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 310

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Gottesbezeichnungen ha-maqom und ha-qidusch baruk hu
Date
1922-01-01
Page
Seite 310 (sequence 2)
Language
German
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Anders steht es nun in der Mischna mit den beiden im Talmud und auch späterhin geläufigsten Ausdrücken für Gott המקום und הקדוש כרוך הוא. Wenn heute ein hebräischer Schriftsteller beide Ausdrücke gebrauchen wollte, so würde der eine und zwar der seltenere — also wohl המקום — ohne Zweifel einen stark gefühlsbetonten Charakter annehmen; das gleiche mußte schon wenigstens in der ganzen nachtalmudischen Zeit der Fall sein. Aber in der Mischna finden wir noch nichts, was auf eine verschiedene Wertung der beiden Wörter hindeutete, allenfalls heben sich einige wenige Stellen, in denen die Wendung מלך מלכי המלכים הקב׳ה gebraucht wird, durch etwas stärkeres Öthos heraus. Das erregt in uns den Verdacht, daß המקים und.ד״קב׳ה im tannaitischen Schrifttum nicht von Anbeginn her nebeneinander gestanden haben und daß einer dieser Ausdrücke entweder auf. textkritischem Wege zu beseitigen oder auf literarkritischem einer besonderen Schicht dieser Literatur zuzuweisen ist. Für diesen letzteren Fall würde es von vornherein am nächsten liegen, den Ausdruck הקב׳ה einer späteren, dagegen המקום einer älteren Schicht zuzuweisen. Schon darum, weil die eigentliche Blüte des Terminus הקב׳ה zweifellos erst in die nacht almudis che Zeit fällt und sich apo; als Gottes-, bezeichnung in der griechisch überlieferten jüdisch-christlichen Literatur nur verhältnismäßig selten findet* 1. Daß ein griechisches Aequivalent von המקום in diesem selben literaturkreise2 niemals vorkommt, ist nicht anders zu erwarten: für המקום gab es auch kein aramäisches Aequivalent; es ist nach Dalmans treffendem Hinweis ein gelehrter Ausdruck, ein Ausdruck der Schule 3 * * — dessen natürlicher Bereich eben deswegen die tannaitische Literatur war. Doch wir stehen noch vor der grundsätzlichen Frage, ob unser Problem textkritisch oder literarkritisch zu lösen ist, und müssen uns zunächst einen Ueberblick über das Material verschaffen. hinzugefügten. Für Bosch hasch. II שכבר קדשוהו שמים ל — die Stelle steht bekanntlich in astronomischem Zusammenhang — kann man zweifeln, ob es sich um die Gottesbezeichnung und nicht vielmehr um die unmittelbare Bedeutung ״HimmeL‘6 handelt. 1Da’l man, Die Worte Jesu I, Lpz. 1898, S. 165, führt nur I Petr. 115 an; hinzu kommen Ev. Joh. 17lx; I Job. 220; Apok. Joh. 115; 37; 48; 4U. In den Apokryphen und Pseudepigraphen steht 10ץמ<; als Gottesbezeichnung im allgemeinen noch seltener; doch wird das Wort — wie Dalman nachweist — so öfters im Henochbuch gebraucht. - [2 Von der Heranziehung der Philonstelle (De somn. I § 68), nach welcher Gott ״Ort genannt werden darf‘‘, hat der Verfasser mit vollem Recht abgesehen. Die Versuche, sie mit der rabbinischen Redeweise zu kombinieren, übersehen, daß bei Philon exegetischer Zwang vorliegt. I. H.] 3 a. a. O. S. 190. — Um so unverständlicher ist es mir, wenn Dalman, auf Geiger gestützt, erklärt, daß hei der Wahl des Ausdrucks nicht der philosophische Gedanke wirksam gewesen sei, daß Gott der Ort der Welt ist, sondern der Sprachgebrauch des Alten Testaments. Dieser letztere — Dalman verweist nur auf Hos. 51B und Jes. 262! — mag immerhin die äußere Veranlassung für die Wahl geboten haben; aber schließt dies die Möglichkeit aus, daß es daneben auch noch einen anderen, tieferen Beweggrund gegeben hat? Ist die Annahme eines solchen hier nicht geradezu notwendig?

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