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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. Seite 295

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Die Purim-Komödie Mekirot Josef
Date
1922-01-01
Page
Seite 295 (sequence 2)
Language
German
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295 Estherparaphrasen des 14. Jahrhunderts, vom Bowo-Buch, dem Epos . Sigenot und dem Artus-Lied? Vom jüdisch-deutschen ״Prinz und Derwisch“ und״Kalila undDimnna“ oder von dem feinsinnigen ״Buch des ebigen Lebens“, einer Bearbeitung von Jona Gerondis חי!י עולם? Die zünftige deutsche Literaturforschung kümmert sich ja grundsätzlich nicht um diese kulturgeschichtlichen Denkmäler jüdischen Geisteslebens in Deutschland, heute weniger denn je, obgleich der unermüdliche Steinschneider s. Z. das Material mit einer immer aufs neue in Staunen setzenden Sorgfalt zusammengetragen hat. Ohne Frage ist unter der Menge dieser alten jüdisch-deutschen Literatur vieles, was mit Recht der Vergessenheit anheimgefallen ist, wenn man die literarische Produktion n u r ästhetisch wertet, Dazu gehört dann auch die Komödie von Josephs Verkauf. Aber dergleichen Literatur darf nicht bloß unter moderne Geschmacksurteile gestellt werden, sondern muß kulturgeschichtlich als Ausdruck jüdischen Zeitgeistes im Deutschland des 13.—18. Jahrhunderts gewertet werden. So betrachtet haben aber auch dichterisch recht schwache Erzeugnisse des damaligen Judentums bleibenden Wert. Zu dieser Art Poesie gehören die alten deutschen Purim-Komödien und im besonderen das Josephspiel. Nach dem Zeugnis des gelehrten Frankfurter Rektors Schudt (Jüdische Denkwürdigkeiten. Frankfurt 1739 II, 6. Buch 35, 19 f. u. III Nr. 10 [p. 226 ff. der Text mit hochdeutscher Uebersetzung]) stammt die 1. Ausgabe desselben (Frankfurt 1710?) von dem hessischen Juden Beermann von Limburg, die 2. dagegen (Frankfurt 1713) von dem בחור Löw Ginsburg aus Frankfurt. Die Exemplare der 1. Ausgäbe sind bei ־dem großen Brande des Frankfurter Ghettos am 14. 1. 1711 vernichtet worden. Die Drucklegung dieser ed. princeps ist also wohl auf 1710 oder früher anzusetzen. Gedruckt hatte sie Joh. Wust in Frankfurt a. M., leider ohne Jahreszahl. Schudt erzählt nun weiter, das Stück sei in Frankfurt von Hamburger und Prager Studenten unter Leitung. Beermanns abwechselnd mit der Komödie David und Goliath aufgeführt worden, und zwar länger als vier Wochen unter kolossalem Andrang des Publikums, sodaß schließlich die Polizei aus Gründen der öffentlichen Sicherheit einschreiten mußte. Auch in Metz ist das Spiel von Mitgliedern jener studentischen Truppe aufgeführt worden. Das Interesse des stadtischen Publikums an solchen naiven Spielen kann man erst recht verstehen, wenn man bedenkt, daß ״Der Verkauf Josephs“ mit allem Raffinement des zeitgenössischen Singspiels ausgestattet war und außerdem mit Aufbietung eines außergewöhnlichen szenischen Ap-

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