Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die Lehre vom Heiligen Geist im Judentum und in den Evangelien
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2829132-2829909-2829914-2831600--45029-2831654- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
269 .י'.־ " "; י■ * ־ ■י liehe Prophctologie offensichtlich unmittelbar unter islamischem, mittelbar unter griechischem Einfluß steht. Der Glaube an einen göttlichen Geist als Spender übernatürlicher Erkenntnisse ist ja im griechischen Kulturkreis der letzten vorchristlichen Jahrhunderte weitverbreitet. Der uralte Volksglaube an Wahrsagungen hat durch Philosophen, insbesondere die meisten Vertreter der stoischen Schule, neue Stützen psychologischer und geschichtlicher Art und eine wissenschaftliche Formulierung erhalten1. Als Vermittler der Erkenntnis denkt man sich vielfach das Pneu m a. Der Begriff bedeutet, wie!דוד, ursprünglich Hauch oder Wind; wie zu seiner Verwendung im angegebenen Sinn sowohl volkstümlicher Glaube an Luftgeister wie naturphilosophische Spekulationen über die Luft und ihre Kräfte beigetragen haben, hat Leisegang in seinem ersten Bande2 in glänzender Beweisführung gezeigt. Wenn also hellenistische und biblische Geistlehre einander nahe genug kommen, um miteinander in Beziehung treten zu können, so läßt sich doch die Einflußsphäre beider einigermaßen abgrenzen, wenn man folgende Unterschiede beachtet: 1• Sprachgebrauch. Während man im Hebräischen und Aramäischen in rabbinischer Zeit meist nicht mehr von ״dem Geist", sondern vom ״heiligen Geist" redet, ist in Griechenland das Umgekehrte üblich. Das Wort קלוש im höheren Sinne läßt sich auf Griechisch überhaupt nicht exakt wiedergeben3; das Ersatzwort äyios ist in Verbindung mit Pneuina äußerst selten 4. Andererseits würde ein Jude der rabbinischen Zeit bei הדוח in erster Reihe an Wind gedacht haben; und da Wind bekanntlich nicht selten als Bild für Leeres, Nichtiges erscheint, im Talmud דוחיץ oft ohne Zusatz 1 Haupt quelle ist Cieeros Schrift De divinatione, deren quellenkritische Analyse ich im II. Band meines Buches ,,Poseidonios’ metaphysische Schriften“ vorzulegen hoffe. 2 S. 48 ff., 51 ff. 3 Den Unterschied in der Wiedergabe der höheren und niederen Bedeutung kann der Laie daran merken, daß wir die heiligen. Schriftzüge der Aegypter als H i e r 0 glyphen, die heiligen Schriften der Bibel als H a g i 0 graphen bezeichnen. Ueber das Verhältnis von cqio; zu קדוש vgl. Frid richs e n , Hagios — Qadosch, Kristiania 1916; Heinemann, Jeschurun VIII 106 ff.; Williger, Hagios (1922) 104 ff.; vgl. auch gegen ethische Auffassung des verwandten cqv&<; Fehrle, Kultische Keuschheit im Altertum 52 ff.; siehe jedoch Will i ge r65 ״ ff. ־ 4 Nach L. I 135. Williger 96 kommt die Verbindung in der Literatur nicht vor; aus den Zauberpapyri finden sich bei Reitzenstein, Hell. Mysterienreligionen 1920, 160 f., zwei Beispiele angeführt; hier bezeichnet 7c«־ die Gottheit und ihre wirkende Kraft, aber nicht eine im Menschen wirk-׳ same Geistesmacht.