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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 4 · p. 249

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 4
Article
Zur Religionsphilosophie der Gegenwart
Date
1922-01-01
Page
249 (sequence 1)
Language
German
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Zur Religlonsphilosophie der Gegenwart. II. Philosophie des Lebens: Darwin, Bergson, Simmel. Von Albert Lewkowitz in Breslau. In Nietzsche trat uns die den sittlichen und religiösen Idealismns erschütternde Gewalt der positivistischen, zum Naturalismus sich steigernden Denkrichtung entgegen, die im Lebensbegriff des ״Willens zur Macht" Gott und Menschheit als Illusionen zu enthüllen suchte. Der aktive Nihilismus oder dionysische Pessimismus entsprach einem Heroismus des Willens, der auch dem Chaos der Wirklichkeit gegenüber zu stolz war, um zu verzweifeln, der die Bejahung auch der Sinnlosigkeit des Lebens als höchste Steigerung des Lebenswillens wertete. ,,Ich liebe Dich, o Ewigkeit!"!.Darwin1. Nur in wenigen Strichen haben wir im Zusammenhang mit der Nietzscheschen Philosophie den Darwinismus und die mit ihm gegebenen Probleme der Ethik und Religionsphilosophie zeichnen können. Doch dürfte seine weltanschauliche Bedeutung, seine Gegensatzlichkeit zum Persönlichkeitsbegriff und Gottesbegrifi des Judentums bereits deutlich geworden sein. Gerade die ,,Ueberwindung" des Darwinismus durch Nietzsches Wille zur Macht aber zeigt die Notwendigkeit einer selbständigen Auseinandersetzung mit dem Lebensbegriff der durch Darwin eröffneten modernen Biologie. Bestünde der Darwinismus als Erkenntnis des Lebens zu Recht, dann haben Sittlichkeit und Religion höchstens Nützlichkeitsbedeutung für die Erhaltung des Lebens, ihr selbst ändigerWahrheitswert aber ist vernichtet. Es zeigt sich, daß bei aller Selbständigkeit der Religion doch ihr Zusammenhang mit der wissenschaftlichen Kultur nicht vernachlässigt werden darf. Denn gerade weil Religion eine weltumspannende Stellung zur Wirklichkeit ist, verträgt die Einheit und damit der Ernst der Lebensanschauung nicht den Widerspruch der religiösen und wissenschaftlichen Wahrheit. Wenn auch Wissenschaft und Religion nicht identisch sind, die Erkenntnis der Wirklichkeit und ihr religiöses Erfassen verschiedenen Akten des Geistes entspringen, so ist es doch dieselbe Welt, die Gegenstand der wissen- 1 Darwin: Entstehung der Arten; H ä ekel: Natürliche Schöpfungsgeschickte; Weis mann: Vorträge über Descedenztheorie. Monatsschrift, 66. Jahrgang.

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