Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 237 (sequence 3)
- Language
- German
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237 verstehen, wenn dabei Worte einfließen wie ״Volk ist die natürliche Reichweite des Geistes“ (II 318/9). Und keineswegs als selbstverständliches Zugeständnis nimmt man danach von ihm hin, ״daß die Diaspora ohnedies bleibt“ (II 328). So darf bereits hier ausgesprochen werden, daß wir diesem Werk reichen Inhalt an Ideen danken, die jedoch noch in historischer und sachlicher Be- Ziehung allseitiger Durcharbeitung und systematischer Einreihung bedürfen; denn die Schwierigkeit der Probleme ist zuweilen nur durch die Stärke der künstlerischen Konzeption überwunden. Dabei sollten aber manche Anregungen von Einzelheiten beachtet werden, von denen ich nur das Beispiel der frisch-erquickenden Selbständigkeit gegenüber der Bibelkritik und den künstlerischen,Entwurf des Hohen Liedes erwähne, dessen völlig unversehrter Text, nur in mannigfacher Umstellung der Verse, in. neuer Gestaltung sich darbietet (vgl. ferner I 72, 76/7). Zuletzt möchte ich auch nicht des dem Verlage gebührenden Lobes vergessen, da er Brods Werk in würdiger Ausstattung und in besonders schönem und klarem Druck erscheinen ließ. Und nun, das ganze Urteil über dieses Buch mag den Ausdruck finden im Erlebnis, das wir ihm wirklich danken, und im bescheidenen Wort, das es selbst birgt: ״Ich bilde mir nicht ein, in diesen 8 Kapiteln den gesamten Lehrinhait des ־ Judentums dargestellt zu haben. Aber vielleicht habe ich einen Weg gezeigt, der zum jüdischen Welterleben hinführt. — Zumindest den Weg, den ich selbst gegangen bin.“ (II 66.) Braunschweig. Dr. Hugo Schiff. Das Buch der Richter. Übersetzt und erläutert von Dr. Raphael Breuer. Frankfurt a. M. Sänger & Friedberg. 1922. Preis eleg. gebd. Mk. 60.—, zuzüglich Sortiments zus chl ag. ״An die Lektüre des Richterbuches“ sollen nach Breuers Vorworte die Leser nur herantreten, wenn sie sich ״entschlossen haben, frei von jeder philosophischen, historischen,.bibelkritischen Ueberheblichkeit die Verse des Buches in ehrfürchtiger Demut auf sich wirken zu lassen“; denn ״hier kann man nur hinnehmen und das Hingenommene in sich fruchtbar werden lassen. Hier kann man nur tun und hören. Das Echo einer fernen Gottesstimme, die von irgend einem geheimnisvollen Punkte des Alls über Zeiten und Räume zu andächtig lauschenden Ohren dringt, muß man in diesen Dingen widerhallen hören. Andernfalls tut man besser daran, sich um andere Dinge zu kümmern; durchschauen und begreifen läßt sich im Richterbuche wie in der ganzen Bibel in Wirklichkeit gar nichts.“ Es wird also nicht nur der Standpunkt der kritischen Richtung, sondern auch die Problemstellung eines Luzzatto und M. Sachs, eines Barth und Hoffmann als ״überheblich“ abgelehnt: nur Br. und sein Kreis besitzen den Schlüssel, der die Himmelspforten und das Verständnis biblischer Bücher eröffnet. Br. will natürlich in die Fußstapfen S._ R. Hirschs treten. Während aber dessen Kommentare bei aller Weitschweifigkeit stets durch ihren Geist und ihre Sprache fesseln und durch die Macht der' großen religiösen Persönlichkeit, von der sie zeugen, auch denen: etwas geben, die seine exegetische Problematik und Stellungsnahme nicht immer billigen, kann die Arbeit dieses Epigonen, die nur eine schwache Nachblüte zeigt und die Kunst, die Kraft, den Geschmack des großen Meisters