Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 236 (sequence 2)
- Language
- German
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236 . " 1 ' das.Allgemeine keine überragende ׳Bedeutung haben kann (II 163/4); aber nie wird ,,jene innere Wahrhaftigkeit, die meine Absicht beim Schreiben dieses Buches ist“ (I 271), unterdrückt, so daß dieses Buch in seltener Weise wissenschaftliclxe Problematik und die Reinheit des persönlichen Erlebnisses zu vereinigen weiß. So bringt der klare, nach außen gerichtete Blick, aus der Warmherzigkeit der Anteilnahme und der Fernhaltung aller Abneigung geboren, dem Innern Verständnis. Dabei erfahren wir zunächst, daß Heidentum nicht nur das Lebensgebiet der Antike, sondern Welterklärung und Menschheitserleben der Gegenwart sei. Das Christentum biete dagegen keinen Schutz; es ,,stellt so hohe Ideale auf, daß es gleichzeitig deren ‘Undurchführbarkeit anerkennen muß und nun für den Bezirk des Lebens heidnische Ideallosigkeit als gleich־ berechtigt neben sich duldet5‘ (II 282). So beherrscht — und, fügt der Verfasser resigniert hinzu, wird wohl weiter beherrschen — das ,,christlichheidnische Amalgam“ Welt und Lebensführung, weil zwischen beiden Extremen, die sich übrigens auf allen Gebieten dieser Lebensführung in ihrer theoretischen Grundlegung (z. B. Sünde) und praktischen Darbietung (z. B. Politik) auswirken, ein Drittes, ,,die Unvereinbarkeit des Zusammengehörigen“ — das Jüdische — nicht gekannt wird. Das Judentum allein hat, aus seinem geschichtlichen Verlauf ebenso erweisend wie durch seine Grundlehreu dazu befähigt, ,,dem edlen und dem unedlen Unglück [d. h. dem durch Gott verhängten, durch Ergebung seelisch zu verwindenden und dem durch Menschen bewirkten und behebbaren] ihre Stelle im Weltplan und ihre Reflexe im Verhalten des Menschen“ (I 56) anzuweisen gewußt. Da darf auch jene von christlicher Seite in Beschlag genommene Tendenz des ,,Empfangenden, des Auf-Gott-Angewiesensein unserer Existenz“ (I 83) nicht fehlen, — ja, das Eintreten göttlicher Gnade in das Menschenleben ist . notwendig zum Wendepunkt, an dem das Judentum — gegenüber der Dies- Seitsbejahung des Heidentums und der Diesseitsverneinung des Christentums — das ,,Diesseitswunder“, d. I die trotz aller Mängel und Fehler an Welt und Menschheit gewollte und verwirklichte Rückkehr zu ihr zu vermitteln hat. So steht es nicht zwischen, ,,sondern über dem Diesseits-Ja und Diesseits-Nein, in der Sphäre des Wunders“ (II 293). Brod hat, ehe er zu dieser Höhe gelangte, einen weiten Weg machen, irianche Tiefe überwinden müssen. Davon zeugen auch die Worte des Ver- Stehens für die Endlichkeit des körperlichen und Unendlichkeit des seelischen Menschenwesens (I 28); ihrer Kluft tut sich das Wunder des Erlebens kund, da ,,es den Menschen aus der sonst unauflöslichen Tragik des Diesseits herausholt und recht eigentlich lebensmächtig, lebensfähig“ (I 226) macht. So ist B. über alle Apologetik hinaus zu dem — für mich bedeutsameren — Teil seines Werkes gekommen, der die Grundlegungen des Judentums anzudeuten, versucht; er weiß die schöpferische Kraft seines Ritus zu schätzen und glaubt an dessen Erneuerung ,,in denen, die einen starken Glauben, also Sinn für das Geheimnis und für die Wahrhaftigkeit (für beide in gleichem Maße) haben“ (II 155). Iii diesem Werk und an dieser Stelle überrascht nun aber doch die Wendung zum Nationalen, das. Brod als fruchtbarsten Boden der Religion empfiehlt (im Kapitel ,,Judentum und Internationalismus“, II 300—330), da er sie doch ganz zu Anfang (I 10) über alle Beschränkung menschlicher Teilung hinaus als Weg zum Absoluten bezeichnet hat. Ich kann es auch nicht