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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 165

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
[Rezension]
Date
1922-01-01
Page
Seite 165 (sequence 4)
Language
German
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165 Im III. Bande der Gedanken und Erinnerungen teilt Bismarck einen Brief mit, den er an den Prinzen Wilhelm gerichtet hatte und in dem er versuchte, ihn von dem unheilvollen Stöckerschen Einfluß zu befreien. Er mußte hier vorsichtig sein, wollte er bei dem Prinzen etwas erreichen und konnte sich nicht so scharf ausdrücken, wie er es wohl wollte. Immerhin schrieb er auch hier über Stöcker: ,,Er steht an der Spitze von Elementen, die mit den Traditionen Friedrichs d. Gr. in schroffem Widerspruch stehen, und auf die eine Regierung des Deutschen Reiches sich nicht würde stützen können. Mir hat er mit seiner Presse und seiner kleinen Zahl von Anhängern das Leben schwer und die große conservative Partei unsicher und zwiespältig gemacht.“ — Trotz der Gesinnung des Prinzen ist Stöcker• aber doch durch ihn, als er Kaiser geworden war, zu Fall gekommen! Es würde zu weit führen, wollten wir an dieser Stelle die Entwicklung im einzelnen verfolgen, der Schluß der Stöckerangelegenheit, seine Entlassung in Ungnaden, ist ja bekannt. Das letzte Kapitel der Jöhlingerschen. Schrift' beschäftigt sich dann noch mit dem ,,Alten im Sachsenwalde“. — Hier hat Bismarck noch einmal Gelegenheit gehabt, sich am Ende seines Lebens über seine Beziehungen zum Judentum auszusprechen. Auch hier wird die Entwicklung ersichtlich, die der Alt-Reichskanzler durchgemacht hatte: er ist am Ende seines Lebens, das doch zweifellos zu den inhaltreichsten gehört, das je ein Mensch durchlaufen hat, dem Verständnis des Judentums erheblich näher gekommen. Das Resultat also dieser Schrift, die als grundlegend und vorbildlich in ihrem sachlichen Aufbau anzusehen ist: Bismarck ist kein Antisemit gewesen! Die Judengegner haben kein Recht, sich auf ihn zu berufen, auch wenn er in seiner Jugend anderer Ansicht gewesen ist. — Entscheidend sind die Aeußerungen seines Mannesalters. Breslau. Dr. Willy Cohn. Dr. Joseph S* Bloch: Erinnerungen aus meinem Leben. R. Löwit, Verlag, Wien und Leipzig. Ein unscheinbarer Titel für eine förmliche Geschichte des österreichischen Judentums und seiner Leiden in den letzten vierzig Jahren für ein gutes Stück Kulturgeschichte des Ostjuden. Mit jugendlichem Feuer schildert der Verfasser seine Bocherwanderjahre in Galizien, das Treiben an Hildesheimers Jeschiwa in Eisenstadt, die allmähliche Durchdringung seines Ostjudentums mit deutscher Geistesarbeit durch die Universitäten der Schweiz und Deutschlands, dann werden die Geheimgeschichte des österreichischen Antisemitismus, die lauen Verteidigungsversuche der Österreichischen Judenheit, die Zustände Galiziens und des Polenklubs, die er als Abgeordneter des letzteren reichlich kennen zu lernen Gelegenheit hatte, der Rohlingprozeß, dessen Held Bloch gewesen, seine Tätigkeit zur •Schaffung zweier Kampforgane, seiner Zeitung ,,Oesterreichische Wochenschrift“ und der Oesterreichischen Israelitischen Union mit der Treue des Historikers, der Lebendigkeit des Romanschriftstellers geschildert. Bei Bloch hat sich durch Jahrzehnte alles konzentriert, was in Oesterreich zur Bekämpfung des Antisemitismus geschehen ist, und so ist es zu begrüßen, daß die Müsse, die dem Siebzigjährigen das Eingehen seiner Zeitung verschafft hat, ihm ermöglicht hat, sein einziges Material zu verwerten. C. Benedikt.

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