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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 158

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Der Prozeß der Familie des Rabbi Chanina ben Teradjon im Lichte der römischen Rechtspraxis
Date
1922-01-01
Page
Seite 158 (sequence 4)
Language
German
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158" Nach vollbrachter Rettung seiner Schwägerin ergreift auch Rabbi Meir die Flucht, wird aber von den Römern verfolgt, und nur durch ein Wunder gelingt es ihm, die römischen Häscher, die ihn verfolgen, über seine Person zu täuschen. Nach einer Ueberlieferung soll ihm der Prophet Elijahu in der Gestalt einer unzüchtigen Frau auf dem Wege erschienen sein und ihn umarmt haben, worauf die Römer von seiner Verfolgung abließen, da sie sich sagten, der Verfolgte könne nicht der gesuchte fromme Rabbi Meir sein; nach einer anderen Ueberlieferung aber stellte er sich, als genösse er von Speisen, die Heiden zubereitet hatten. Auch diese Ueberlieferungen sind auf historische Tatbestände zurückzuführen. Nach Tertullian (Apol. IX) wandten nämlich die Römer als Mittel, die Christen als solche zu erkennen, mit Blut gefüllte Würste an, die sie ihnen zum Genüsse vorlegten. Man mag dieses Mittel lange Zeit auch bei Juden angewandt haben. Die andere Ueberlieferung trägt aber dem wichtigen Beschlüsse von Lydda Rechnung, der im Söller des Hauses Nitzah gefaßt wurde, nach welchem der Jude nur in drei Fällen den Tod für den Glauben erleiden müsse: wenn er nämlieh vor der Wahl stünde, entweder einen Mord zu begehen, Götzendienst oder Unzucht zu treiben — oder zu sterben. Nach diesem Beschlüsse, von dem wohl auch die Römer bald gehört haben werden, wäre der Genuß verbotener Speisen kein sicheres Erkennungsmittel mehr für die Nichtzugehörigkeit zur jüdischen Gemeinschaft gewesen, wo es sich um die Rettung des Lebens handelte. Diese Ausführungen zeigen uns, daß man auch haggadische Erzählungen im Lichte der Geschichte sehen muß, wenn sie richtig verstanden und richtig eingeschätzt werden sollen. Kleine Beiträge. Zu I. Groß’ Artikel ״Rochade und Notation bei Ibn Ezra“, M. G. W. J., Bd. 65, S. 365—69. Ibn Ezras bekanntes Schachgedicht hat Anlaß gegeben, dem berühmten Autor unbegründeterweise allerlei andere Dinge über das Schach zuzuschreiben. In מעדני־מלך ist außer dem erwähnten Gedicht אשורר שיר in der Kolumnenüberschrift auch das von Hyde.als das Werk eines Ungenannten veröffentlichte Prosaschriftchen fälschlich Ibn Ezra zugeschrieben und, wie Steinschneider bemerkt (Schach hei den Juden, p. 160), wegen des Anfangs als Werk von Ibn Ezras Alter bezeichnet. Die Prosaschrift will Steinschneider Leo da Modena zuschreiben, dagegen erfahren wir von Abrahams, Transactions of the Jewish Historical Society of England VIII, 104 auf Grund der Mitteilungen des Antiquars Thomas Hearne, daß Isaac Abendana, der Hyde auch sonst zu Hand ging, tatsächlich der Verfasser dieses Textes ist.

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