Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 66 (1922)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Mose am Dornbusch
- Date
- 1922-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 23)
- Language
- German
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138 Das Prinzip, eine geschlossene Darstellung nicht durch weniger Wesentliches durchbrechen zu lassen und es an anderer Stelle nachzutragen, wird noch öfter nachzuweisen sein. Es ist nicht richtig, in solchen Fällen immer von verschiedenen Quellen zu reden. . (Schluß folgt) Kindersegen und Kinderlosigkeit im altrabbinischen Schrifttume. Von L. Wiesner in Wien. (Schluß) 4. Kapitel: Kinderlosigkeit. Das Los der Kinderlosigkeit war ein sehr trauriges. Die unfruchtbare Frau sah mit ihrem Ehezwecke auch ihren Daseinszweck verfehlt und fühlte sich als von Gott hart gestraft; überdies wurde sie von der Außenwelt mit Geringschätzung behandelt, und nicht selten zeigten Personen mit geringem Zartgefühle mit den Fingern auf sie: Diese Unfruchtbare da1. So klagt Sara vor Abraham: Du hörst meine Schmähung und schweigst2. Um sich den mannigfachen Kränkungen zu entziehen, verließ die Kinderlose nur selten ihre Behausung und lebte in dieser wie eine Gefangene3. Verdüsterten Gemütes wankte sie mit scheuem Blicke und gesenktem Haupte unsicheren Ganges in ihrem Hause dahin, als müßte sie bei jedem Schritte hinstürzen4. Da man als günstiges Zeichen für reichen Kindersegen einer Frau deren reiche Blutabsonderung ansah5, nannte man jene Familien, in welchen die weiblichen Sprossen keine Blutungen hatten (Amenorrhoe), Durkati oder Trokati, welches Wort die Rabbinen in דור קטוע auflösten, d.. h. abgeschnittenes Geschlecht, welches ausstirbt6. Nur mit Grauen blickte die Kinderlose in die Zukunft, wo sie ein Alter ohne Halt und ohne Stütze vor sich sah7. ״Weinet nicht um den Toten und, bemitleidet ihn nicht, weinet vielmehr um den Dahinziehenden“8. Diese Worte, sagt R. Jehuda, beziehen sich auf den, der ohne Kinder stirbt und nichts im Lande seiner Geburt zurückläßt9. Der Name des Eunuchen galt schon bei seinem 1 Gen. r. 47, 2, 53, 5, Pesikta r. 177b. 2 Gen. r. 54, 5. 3 Gen. r. 71 Anfang. 4 Daselbst. 5 Niddah 8b. ö Kethuboth 10b, Jer. Kethuboth 1, 1, Niddali 64b. 7 Jebamoth 65b. 8 Jeremia 22x . 9 Moed Katan 27b, vergl. B. bathra 116a.