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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1922-01-01 · Heft 2 · p. Seite 97

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
66 (1922)
Issue
Heft 2
Article
Ein hundertjähriger Gedenktag unserer Wissenschaft
Date
1922-01-01
Page
Seite 97 (sequence 9)
Language
German
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97 ob als Jahrbücher, Vierteljahrs- oder Monatsschriften, auf zehn Jahrgänge haben es nur die allerwenigsten gebracht und an den Fingern sind diejenigen aufzuzählen, die gar zwanzig oder mehr Jahre erscheinen konnten. Mit das kläglichste Los ist das der Zeit- Schriften in hebräischer Sprache gewesen. Halten konnten sich im allgemeinen nur solche Zeitschriften, denen eine starke Organisation Rückhalt bot. Alle überragt an Lebensdauer und Festigkeit unsere Monatsschrift, die nunmehr den 66. Jahrgang begonnen hat. Auch sie hatte manche schwere Stunde zu überstehen und hätte vielleicht längst das Schicksal ihrer Schwestern geteilt, wenn nicht die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums sie als ihr Organ übernommen hätte. Es gilt, auch durch die Krise der Gegenwart ihre Lebenskraft nicht beeinträchtigen zu lassen. Auch heute noch besteht das Wort zu recht, das Zacharias Frankel vor mehr als siebzig Jahren bei der Begründung der Monatsschrift geschrieben hat: ,,Ohne Wissenschaft kein Judentum. Das Judentum verfällt, wenn die Liebe zu seiner Wissenschaft sich verliert. Daher die Aufgäbe: Hebung der Wissenschaft des Judentums/' Zur Religionsphilosophie der Gegenwart Von Albert Lewkowitz in Breslau. Der Schicksalsweg des jüdischen Volkes hat unser Leben ins Enge geführt, alle Kräfte schützenden Zusammenhaltens entwickelt, auch unser religiöses Leben, die innerste Kraft unseres Seins, mit einem abschließenden und bergenden Wall umgrenzt. Nie aber, selbst in den düstersten Zeiten der Verfolgung, verschloß sich die jüdische Seele dem kulturellen Schaffen, das die vielfach so feindliche Umwelt erzeugte; gebend und nehmend erwarb der Jude seinen Teil am Schaffen des weltgeschichtlichen Lebens. Der Universalismus, der unsere Religion von ihrem klassischen Zeitalter an über allen Partikularismus nationaler Kulte heraushob, ließ das Judentum nie zu nationalem Ritualismus erstarren, und bedeutsam ist es, wie vielfach gerade, im Mittelalter die Repräsentanten des Talmudismus zugleich die lebendigsten und innerlichsten Vertreter religionsphilosophischer Erkenntnis gewesen sind. Dringender als je ist die selbsterrungene religiöse Wahrheit einem Judentume notwendig, das mitten im Strom des Lebens um mittelbar alle Mächte der Zeit erfährt und von ihnen erfaßt wird. Nur in der ernsten und tiefen Auseinandersetzung mit den geistigen

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