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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 6 · p. Seite 379

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1921-01-01
Page
Seite 379 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen 379 Ueberreste des jüdischen Heiligtums bilden dürften. Dalman nimmt an, daß der von Herodes eingeführte Hellenismus in der Formengebung des letzten Tempels für dessen Säulen Kapitale anwenden ließ, die keiner klassischen Stilart eingereiht werden können. Denn Josephus schließt hier Bildhauerarbeit ausdrücklich aus; ebenso bezeichnet er nur die Säulen der Basilika am Südrande des Vorhofes als,,korinthisch“. Dalman nimmt nun für den Tempel ,,korinthische und jonische Bossen kapitäle“ an, wie er sie aus den Synagogen Galiläas, ferner aus S e e i a und Petra kennt. Diese Analogie mag dem Fachmann recht beachtenswert erscheinen; ebenso die Ansichten des verdienstvollen Forschers über die Lage einzelner Bauten auf der Tempelplattform, die so sehr von den bekannten zeichnerischen Restaurierungsversuchen ab weicht. Daß Dalman seine Forschungsergebnisse auch in Gestalt klarer Pläne und guter Lichtbilder wiedergibt, wird besonders begrüßt werden müssen. Das in erster Linie der christlichen Forschung gewidmete Werk enthält so viel ausgezeichnete Beobachtung und Verarbeitung des altjüdischen Stoffes, daß es auch für die Wissenschaft des Judentums von Bedeutung werden kann. Dies umsomehr, als es —soweit dies der Nichttheologe beurteilen kann — jeglicher religiösen Tendenz entbehrt und mit nüchternem Forschungsgeist alle, auch die unbedeutend erscheinenden Tatsachen aufschließt und zu neuer Gedankenarbeit anregt. Prof. Dr.-Ing. Alfred Grotte. Dr. Zunz: ,,Sittenlehrer4׳'. Mit Anmerkungen von I. El bogen. Frankfurt a. M. 1921. 46 S. Preis 3 Mark und 50 Prozent Zuschlag. Die ,,Sittenlehrer“ bilden den 5. Abschnitt in Zunz’ Werk ,,Zur Geschichte und Literatur“ (Berlin 1845, S. 122—157). Sie sind unter Weglassung der gelehrten literaturhistorischen Nachweise in den ,,Gesammelten Schriften von Dr. Zunz44 I, S. 60—85 (Berlin 1875) abgedruckt. In dieser verkürzten Form erscheinen sie hier von neuem, mit einigen erläuternden Anmerkungen am Schluß. Das Büchlein bringt 11 Abschnitte über ,,Sittenlehrer44 des Mittelalters. Die Uebersetzung liest sich sehr gut, der Druck ist fast fehlerfrei, die Ausstattung tadellos, knappe Anmerkungen dienen dem Bedürfnis mancher Leser, die nähere Auskunft suchen. Das einzige, was vielleicht noch der Erläuterung bedürfte, ist — der Titel. ,,Sittenlehrer“ — auch ich weiß für ,,Mussarbücher“ keine bessere Uebersetzung: aber es muß doch wohl gesagt und jedenfalls beachtet werden, daß jene Schriften nicht Ethik, sondern F r ö m ־ m i g k e i t lehren wollen. Eine Frömmigkeit freilich, deren schön-

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